Streit um Krankentransporte: Erste Krankenkasse fordert Hamburger Behörde zum Handeln auf

Wer in Hamburg auf einen Krankentransport per Rettungswagen angewiesen ist, muss viel Geduld mitbringen. Zum Teil stundenlang müssen Patienten auf das Eintreffen der Rettungskräfte oder eines Transportwagens zum Krankenhaus warten. Die Vorwürfe sind nicht neu, häufen sich allerdings seit einigen Monaten und sorgen nun auch bei den Krankenkassen für deutlichen Unmut.

Krankenkassen fordern behördliches Eingreifen

Angesichts stundenlanger Wartezeiten für qualifizierte Krankentransportleistungen (siehe PDF) meldet sich nun u.a. die Techniker Krankenkasse (TK) zu Wort. Mit Nachdruck fordert die TK Hamburg die zuständige Behörde für Inneres auf, ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen. Die Vorgabe einer Eintreffzeit reiche offenbar nicht aus, um die Patientensicherheit zu gewährleisten. Der Vorwurf: Die Behörde nimmt ihre Sicherungspflicht nicht ernst – und nimmt damit scheinbar bereits seit geraumer Zeit in Kauf, Menschenleben zu gefährden.

Krankentransporte: Hamburg geht streitbare Sonderwege

Das Hauptproblem in Hamburg besteht darin, dass neben Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) oder den Johannitern auch private Unternehmen mit Gewinnstreben Krankentransporte durchführen dürfen. Die Behörde für Inneres verweist darauf, dass die Branche dem Markt überlassen worden sei – ohne staatliche Regulierung. Mit anderen Worten: Die Aufsichtsbehörde kommt ihren Pflichten nicht nach und überlässt die Versorgung der Patienten mit Krankentransporten gewinnorientierten Unternehmen. In der Konsequenz reagieren die Unternehmen bei einträglichen Fahrten schneller als bei Fahrten, die weniger oder kaum Gewinn versprechen. Darüber hinaus verfügt Hamburg anders als andere Bundesländer nicht über eine zentrale Einsatzkoordinierung für Krankentransporte. Da jeder Anbieter eine eigene Koordinierungszentrale unterhalten muss, sind lange Wartezeiten und Doppeldispositionen kaum vermeidbar.

Inakzeptable Zustände aufgrund von Fachkräftemangel?

Die Anbieter von Krankentransporten wehren sich gegen die Forderungen der Krankenkassen mit dem Argument des Fachkräftemangels. Die Hansestadt benötigt mehr Einsatzwagen und Rettungssanitäter, hat allerdings Schwierigkeiten, ausreichend qualifizierte Bewerber zu finden. Als Ursache dafür gilt den Gewerkschaften zufolge die vergleichsweise schlechte Bezahlung sowie sozial unverträgliche Arbeitszeiten – mit einem Einstiegsgehalt von 2.025 Euro brutto kommt man in Hamburg nicht weit. Die Mitarbeiterfrage wirft auch die Frage nach der Bezahlung von Krankentransporten auf: Den Unternehmen zufolge müssten sich Krankenkassen und Versicherte die Frage stellen, was ihnen ein schneller und qualifizierter Krankentransport wert ist.

Letzter Ausweg: Verbot kommerzieller Rettungsfahrten

Ein Ausweg für die Hamburger könnte das Modell von Schleswig-Holstein sein. Das Nachbarland hat die Reißleine gezogen und kommerziellen Anbietern verboten, Rettungsfahrten zu übernehmen. Ursache dafür war auch hier die Erfahrung, dass die Privaten ihre Aufgaben nicht flächendeckend wahrgenommen haben, sondern lediglich dort aktiv geworden sind, wo Gewinne wahrscheinlich waren.

2017-05-19T16:09:42+00:00 9. Dezember 2016|Allgemein|