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Steuern auf Ungesundes: So soll der Konsum von Salz, Zucker und Fett reduziert werden

In Berlin hat sich kürzlich eine neue Initiative namens „Aktion gesunde MwSt“ gegründet. Sie tritt dafür ein, dass ungesunde Lebensmittel mit viel Zucker, Salz oder Fett höher besteuert werden als Obst und Gemüse. Die DDG (deutsche Diabetes-Gesellschaft) und die deutsche Adipositas Gesellschaft sind der Initiative ebenso beigetreten wie der Verein Gesundheitsstadt Berlin.

Weniger Steuern auf gesundes Essen zahlen

Es ist kein Geheimnis: Zu viel Zucker, Fett und Salz sind ungesund. Daher fordern Ernährungsexperten nun, die Mehrwertsteuer auf die Gruppen an Lebensmitteln, die sehr viel von diesen drei Zutaten enthalten, von bisher 7 auf 19 Prozent zu erhöhen. Davon betroffen wären vor allem Fertiggerichte, Süßigkeiten, Chips und stark gezuckerte Milchprodukte. Diese würden durch diese Maßnahme deutlich teurer. Die Initiative „Aktion gesunde MwSt“ fordert zudem, die Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse vollständig entfallen zu lassen. Alle restlichen Lebensmittel sollen weiterhin mit dem gewohnten Satz von 7 Prozent besteuert werden. Besonders ungesunde Lebensmittel wie Softdrinks könnten, wenn es nach der Meinung dieser neuen Initiative geht sogar mit 29 statt bisher 19 Prozent besteuert werden. Der Verbraucher könnte durch diese finanziellen Maßnahme zu einer abwechslungsreichen Ernährung und damit gesünderen Lebensweise animiert werden.

Übergewicht ist ein großes Problem

Studien zeigen, dass die Hälfte der Deutschen Übergewicht hat und ein Viertel sogar als adipös bezeichnet werden muss. In der Folge können Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen. Unter Umständen führen viele ernste Krankheiten sogar zu einer länger andauernden Berufsunfähigkeit, z.B. bei Krebs. Experten weisen darauf hin, dass 75 Prozent aller vorzeitigen Todesfälle in irgendeiner Weise mit ungesunder Lebensweise in Zusammenhang zu bringen sind. Die Krankheitsfälle sind nicht nur persönliche Probleme, sondern auch ein immenser Ausgabeposten für den Staat. Allein 35 Milliarden Euro werden in Deutschland im Jahr für die Behandlung von Diabetesfällen ausgegeben. Aufklärung und warnende Zeigefinger reichen nach Meinung der Initiative „Aktion gesunde MwSt“ längst nicht mehr aus.

Senkung der Mehrwertsteuer erfolgversprechend

Daher soll der Bürger nun durch finanzielle Anreize dazu animiert werden, gesündere Lebensmittel den ungesunden vorzuziehen. Das finanzielle Argument greift eher als das gesundheitliche. In Ungarn scheinen diese Maßnahmen bereits Erfolg gebracht zu haben, 2011 wurde eine Gesundheitssteuer auf nichtübertragbare Krankheiten eingeführt. Schon 4 Jahre nach der Einführung konnte ein enormer Rückgang beim Kauf von ungesunden Lebensmitteln festgestellt werden.

Um auch für Deutschland zu beweisen, dass das Konzept funktionieren kann, wurde eine Studie beauftragt. Ihr Ergebnis war, dass durch die vorgeschlagene Anpassung der Mehrwertsteuer die Zahl der schwer übergewichtigen Menschen bei Männern um 12,5 und bei Frauen um 7 Prozent gesenkt werden könne. Dies könnte zu einer Einsparung von 7 Milliarden Euro pro Jahr führen. Trotzdem ist die Maßnahme umstritten, weil vor allem ärmere Bevölkerungsschichten finanziell darunter leiden könnten. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass Lebensmittelhersteller auf den Druck reagieren und gesündere Lebensmittel zu vertretbaren Preisen auf den Markt bringen.

2017-12-06T15:10:34+00:00 6. Dezember 2017|Ernährung, Gesundheit|