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Steigen die Beiträge doch? Krankenkassen fürchten höhere Arzthonorare

In den Koalitionsverhandlungen um die neu zu bildende Bundesregierung haben sich CDU, CSU und SPD darauf geeinigt, die Bezahlung in den Bereichen Alten- und Krankenpflege durch wirksame Sofortmaßnahmen zu verbessern. Es sollen Tarifverträge angepasst bzw. eingeführt werden. Gleichzeitig plädiert die SPD dafür, die Arzthonorare für Behandlungen von privaten und Kassenpatienten einander anzugleichen. Vor diesem Hintergrund sind Mehrkosten im Gesundheitssektor zu erwarten, was zu steigenden Beiträgen führen könnte.

Kritiker warnen vor steigenden Kassenbeiträgen

Die Politiker von Union und SPD scheinen zu einem Konsens gekommen zu sein: Arzthonorare für die Behandlung von Kassenpatienten und privat Versicherten sollen angeglichen werden. Diese Vereinheitlichung würde aber den Krankenkassenbeitrag für die Versicherten der gesetzlichen Kassen verteuern, warnen Vertreter der gesetzlichen Krankenversicherungen. 90 Prozent der Versicherten in Deutschland sind bei einer gesetzlichen Kasse versichert. Fachleute haben erste Schätzungen gewagt und gehen davon aus, dass die Beiträge durch die Einführung einer einheitlichen Gebührenordnung um 0,6 Prozent steigen könnten. Vertreter verschiedener Kassen stehen der Maßnahme sehr skeptisch gegenüber, da Verbraucher durch Beitragserhöhungen zusätzlich belastet werden. Das ließe zudem die gesetzlichen Krankenkassen in einem schlechten Licht dastehen.

Einheitliche Honorarordnung umstritten

Die Koalitionsverhandlungen gehen unterdessen weiter. Arbeitsgruppen diskutieren fachliche Fragen, darunter auch die Abschaffung der Zweiklassengesellschaft im deutschen Krankenversicherungssystem. Die SPD hat diese Maßnahme ganz oben auf ihrer Agenda stehen. Experten haben aber nicht nur finanzielle, sondern auch verfassungsrechtliche Einwände. Auch muss geprüft werden, ob die Vereinheitlichung mit dem EU-Recht in Einklang gebracht werden kann. Viele Skeptiker behaupten außerdem, dass die einheitliche Honorarordnung nicht dafür Sorge tragen würde, dass Privatpatienten fortan genauso lange Wartezeiten auf einen Facharzttermin hätten wie GKV-Versicherte. Niemand könne dafür garantieren, dass die Versorgungslage der gesetzlich Versicherten gegenüber den Privatpatienten sich dadurch verbessern würde. Der amtierende Gesundheitsminister Gröhe von der CDU lehnt eine Vereinheitlichung ab, ebenso wie er der von der SPD anvisierten Bürgerversicherung sehr skeptisch gegenüber steht. Für ihn ist es wichtiger, die Versorgung in ländlichen Regionen zu verbessern.

2018-02-06T11:06:20+00:006. Februar 2018|Gesetzlich, Gesundheit, Politik, Recht, Versicherung|