Stationäre Pflege: Umdenken bei den Betreibern von Pflegeheimen

Der rentable Betrieb von Heimen wird immer schwieriger, denn die gesetzlichen Vorschriften einerseits und die sich wandelnden Wünsche der Pflegebedürftigen andererseits lassen wenig Spielraum. Die Margen im Pflegewesen sind immens gesunken, wie die HSH Nordbank berichtet. Diese Bank zählt sich selbst zu den Top 5-Finanzierern von Einrichtungen zur Pflege in Deutschland. Sie berichtet, dass der Spielraum des Gewinns vor Zinsen und Steuern von 2,8 Prozent (2015) auf 2,3 Prozent sinken wird. Die Analysten prognostizieren, dass es vermehrt zu Neubauten anstelle der bislang häufigen Aufkäufe kommen wird.

Wachstum in der Pflege – Der Wandel wird sichtbar

Die Standards und Ansprüche der Pflegebedürftigen haben sich erhöht: Wo früher Mehrbettzimmer und gemeinsame Waschräume normal waren, werden heute Einzelzimmer mit eigenem Bad erwartet. Laut einem Pflege- und Wohnqualitätsgesetz in Bayern müssen die Einzelzimmer dort mindestens 14 Quadratmeter und Doppelzimmer über 20 m² Wohnfläche bieten, des Weiteren sollen 25 Prozent der Zimmer für Rollstuhlfahrer barrierefrei gebaut sein. Ein größeres Zimmer bedeutet ohne Neubau weniger verfügbare Plätze für Pflegebedürftige im Heim und beeinträchtigt die Versorgungssicherheit, denn schon jetzt sind vieler Orts die Heimplätze knapp. Das stellt besonders die Betreiber von kleinen Pflegeeinrichtungen vor Herausforderungen, denn die neuen Qualitätsansprüche und Einsparungsmaßnahmen sollen kurzfristig umgesetzt werden und können nicht durch das bloße Versetzen von Wänden erreicht werden.

Die Personalkosten: Der wichtigste Faktor in der Pflege

Neben der sinkenden Marge stellen die steigenden Personalkosten die größte Herausforderung für die Heimbetreiber dar. Mehr als 60 Prozent der Gesamtkosten entfallen auf den personellen Bereich. In 2017 wird diese Anteil von 62,8 Prozent (2015) auf 63,4 Prozent steigen. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung lagen die Bruttoentgelte in der Pflege 2013 zwischen 1.714 Euro und 3.192 Euro im Monat. Durch das höhere Lohnniveau des Personals im Süden und Westen Deutschlands wird es für die Bewohner immer schwieriger die Leistungen der Pflegeeinrichtung zu bezahlen. Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt je nach Pflegestufe unabhängig vom Bundesland die gleichen Beträge für die Versorgung von Pflegebedürftigen. Im schlimmsten Fall entsteht eine sogenannte Pflegelücke und die Angehörigen müssen für die übrigen Kosten aufkommen. Um die eigene Familie nicht mit Kosten oder Hilfeleistungen zu belasten, gibt es die Möglichkeit eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen und für den Ernstfall vorzusorgen, denn nicht Jeder kann auf die Unterstützung seiner Kinder bauen.

2017-05-19T16:09:48+00:00 11. November 2016|Allgemein|