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Staatliche Altersvorsorge neu gedacht: Rezepte gegen Armut im Alter

Dass die gesetzliche Rente in vielen Fällen wohl nicht ausreichen wird, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten, ist ein alter Hut. Dass unser Rentensystem so komplex ist, dass Reformen und Lösungen für Probleme wie die Altersarmut (PDF) kaum zu erarbeiten sind, wird Experten in zunehmendem Maße klar. Für hohes Interesse sorgt deshalb ein kürzlich veröffentlichter Vorstoß des stellvertretenden Präsidenten des Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Prof. Holtemöller: Die Zukunft des deutschen Rentensystems sieht er in einer Aufspaltung – und besserer Kommunikation zwischen allen Beteiligten.

Gesetzliche Rentenversicherung: Konträre Ziele erfordern Aufspaltung

Als Makroökonom beleuchtet Holtemöller das Problem typischerweise aus ökonomischer Perspektive und identifiziert drei grundlegende Ziele des aktuellen Rentensystems. So soll ein ausreichendes Mindesteinkommen nach Ende des Erwerbslebens für nicht-bedürftige Personen garantiert werden und gleichermaßen Bedürftigen zur Verfügung stehen. Im übrigen sollen Anreize für eine langfristig angelegte freiwillige Altersvorsorge gesetzt werden. Die Krux: Nicht alle diese Ziele sind durch Versicherungs­lösungen erreichbar und müssen daher auch unabhängig voneinander betrachtet werden. In der Folge ist es nur sinnvoll, entsprechend dieser unabhängigen Ziele drei Teilsysteme zu etablieren.

Drei spezialisierte Teilsysteme – und bessere Kommunikation

Die Aufspaltung des Rentensystems in drei Teilsysteme würde Holtemöller zufolge vor allem Transparenz schaffen – und die Voraussetzungen für zielgerichtete Reformen, die sich nicht sofort kontraproduktiv auf die jeweils anderen Zielsetzungen auswirkten. Das erste Teilsystem umfasse demnach eine am Existenzminimum orientierte gesetzliche Pflichtversicherung zur Absicherung des Existenzminimums (PDF) im Alter, so Holtemöller. Ein zweites Teilsystem garantiere gesetzliche Leistungen für Bedürftige, die ohne eigene Beitragszahlungen in Anspruch genommen werden könnten. Zum dritten Teilsystem zähle eine freiwillige Zusatzversicherung (wie die Riester-Rente) zur Sicherung des gewohnten Lebensstandards im Alter, die privat, staatlich oder gemischt organisiert werden könne und mit klaren ökonomischen Reizen ausgestattet sein müsse.

Ein solcher Umbau der gesetzlichen Rentenversicherung kann nach Holtemöller nur gelingen, wenn die Kommunikation in Sachen Rente und Rentenversicherung verbessert wird. Nur dann lassen sich irreführende Diskussionen, Ängste und skeptische Vorbehalte vonseiten der Bevölkerung vermeiden – und die ist es schließlich, die eine solche Reform billigen und tragen muss. Eine Aufspaltung des Rentensystems nach ökonomischen Zielen wäre auch der Kommunikation und öffentlichen Debatte zuträglich – und könnte sich positiv auf die Konsensfindung auswirken.

Praxisnahe Forschung eröffnet neue Sichtweisen auf Altersvorsorge

Mit seinem Vorschlag der Aufspaltung eröffnet der Professor für Makroökonomie an der Universität Halle-Wittenberg, der zugleich als Leiter der Abteilung Makroökonomik und als stellvertretender Präsident des Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle fungiert, neue Perspektiven im Ringen um eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung. Das Thema begleitet den Forscher und das Leibnitz-Institut bereits seit Längerem. Erst im April dieses Jahres veröffentlichte das gemeinnützige, von Bund und Ländern finanzierte Institut unter Federführung von Holtemöller eine Publikation, die sich mit der Frage nach der Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung befasst.

Demografische Entwicklung berücksichtigen

Klar scheint, dass Veränderungen innerhalb der Sozialsysteme nicht unabhängig von der demogra­fischen Entwicklung der Bevölkerung betrachtet werden können: eine alternde Gesellschaft bedeutet nicht nur höhere Ausgaben für Gesundheit und Prävention, auch die Bezugsdauer der staatlichen Rente verlängert sich mit der steigenden Lebenserwartung. Die Frage nach den dadurch wachsenden Kosten stellen sowohl die Politik, als auch die gesamte Gesellschaft vor eine große Aufgabe. Für weitere mögliche Antworten, kommen die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock (MPIDR) ins Spiel. Sie beschäftigen sich seit Jahren mit der alternden Gesellschaft. Das Projekt “Altern und Langlebigkeit” ist nur eines davon: Nachgegangen wird unter anderem der Frage, welche Folgen sich für den Einzelnen, aber auch die gesamte Gesellschaft ergeben, wenn die Lebenserwartung der Menschen steigt. Wenn die Politik die Analysen und Ergebnisse der Forschung nutzt, könnten möglicherweise weitere neue Ideen und Konzepte entstehen, um künftige Generationen mit der Lösung dieser Probleme nicht allein zu lassen.

2017-10-13T09:08:07+00:00 13. Juli 2017|Gesetzlich, Versicherung, Vorsorge|