/, Vorsorge/Shisharauchen: Die neue Gefahr mit Langzeitfolgen

Shisharauchen: Die neue Gefahr mit Langzeitfolgen

Peter Lang ist Leiter der Suchtprävention bei der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung. Er hat festgestellt, dass immer mehr Jugendliche in Deutschland ihre Vorliebe für die Wasserpfeife entdeckt haben. Eigentlich ist das Bild der Männer, bei denen die Shisha die Runde macht, eher eine Vorstellung aus den Mittelmeerländern oder dem arabischen Raum. Doch inzwischen ist die Wasserpfeife zu einem “coolen” und “hippen” Kultgegenstand auch hierzulande geworden. Der Trugschluss von der gesunden Shisha rührt wohl daher, dass der Tabak in der Shisha mit Fruchtaromen angereichert ist. Auch soll angeblich das Wasser wie ein Filter den Rauch von Schadstoffen befreien. Doch die Harmlosigkeit des Shisharauchens ist ein Mythos, sagt Peter Lang. “Das Gegenteil ist der Fall.“

Blauer Dunst

Der Tabak wird beim Shisharauchen nicht wie bei den Zigaretten angezündet und inhaliert. Es wird feuchter, in den meisten Fällen aromatisierter Tabak mit Kohle erhitzt. Dann zieht der so entstandene Rauch durch einen mit Wasser gefüllten Behälter, der “Bowl“ genannt wird. Durch diesen Zwischenschritt wird der Rachen nicht so stark gereizt. Weil der Rauch zusätzlich noch nach Früchten oder ähnlichen Aromen schmeckt, entsteht die Illusion eines gesunden Vergnügens.

Kalte Gefahr

Aber das ist nicht richtig. Der Tabak brennt nicht richtig, sondern schwelt oder glimmt bei niedrigen Temperaturen. So können sich besonders viele Giftstoffe ausbreiten. “Weil der Rauch außerdem kälter ist als bei Zigaretten, werden die Schwermetalle wie Chrom, Nickel oder Blei viel tiefer in die Lunge gezogen,” sagt Peter Lang. Die Gefahr von Lungenkrebs, Tumoren an der Lippe oder der Blase ist deshalb sehr hoch und steigt mit häufigem Gebrauch. Die jugendlichen Shisharaucher denken nicht an solche Gefahren, doch sie sind ständig präsent.

Verdrängung

Die Shisha ist aus den Kulturen des Mittelmeerraumes nach Deutschland gekommen. Neue Befragungen unter Jugendlichen haben erbracht, dass zehn Prozent aller Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren regelmäßig Wasserpfeife rauchen. “Seit etwa fünf Jahren gibt es einen enormen Trend,” sagt Peter Lang. Bei den Schülern von Gymnasien wird der Rauch aus der Wasserpfeife mehr geschätzt als Zigaretten. So sehr es zu begrüßen ist, dass Zigaretten dort inzwischen geächtet sind, so wird doch mit der Shisha der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben. Denn über Langzeitfolgen wird weder geredet noch nachgedacht. “Nur jeder zweite Jugendliche weiß, dass Wasserpfeife-Rauchen schädlich ist.”

Augen auf

Das Shisharauchen ist vorrangig eine gemeinschaftliche Freizeitbeschäftigung. Nur wenige Raucher rauchen täglich Wasserpfeife. Sie kämen deshalb auch nicht auf die Idee, sich als Raucher zu bezeichnen. Man raucht bei geselligen Anlässen, etwa zwei bis drei Mal im Monat. Doch das reicht bereits für schädliche Spätfolgen. Auch macht den Suchtexperten die Entwicklung bei den Jüngeren sehr besorgt. Die Umfragen haben festgestellt, dass es bei den 15jährigen genau so viele Zigarettenraucher wie Shisharaucher gibt, nämlich rund 15 Prozent. Man müsse solche gefährlichen Trends unbedingt im Blick behalten, mahnt Peter Lang.

2017-10-16T10:52:43+00:00 30. März 2010|Gesundheit, Vorsorge|