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Schlechte Gesundheit: Junge Menschen gefährdet durch Schlafmangel und schnelle Snacks

Etwa 55 Prozent der 14 bis 34-Jährigen beklagen in der BRD bereits gesundheitliche Beeinträchtigungen. Beim weiblichen Anteil dieser Gruppe liegt der Wert sogar bei 65 Prozent. Wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht, sind in erster Linie ungesunde Ernährung und zu wenig Schlaf die Ursachen.

Ein gefährlicher Trend verstärkt sich

Etwa 1.000 junge Menschen wurden im Rahmen der Studie „Zukunft Gesundheit 2018“ zu ihren gesundheitlichen Beschwerden befragt. Zwei von drei Umfrage­teilnehmern führen ihre gesundheitlichen Probleme auf den immer weiter um sich greifenden Hang zu Fastfood zurück. Problematisch ist dabei, dass die Befragten zwar um die Gefahr von Burgern und Co. wissen, aber trotzdem zum regelmäßigen Besuch der großen Fastfood-Ketten neigen.

Die Ursachen sind einerseits in der Werbung und andererseits im modernen Leben zu finden. Viele der Jugendlichen ziehen früh bei den Eltern aus, obwohl sie noch nicht fähig sind, das eigenständige Leben in Bezug auf die Ernäh­rung optimal zu gestalten. Aus Bequemlichkeit lieber schnell einen Burger holen oder einen Döner an der Ecke kaufen, wird als moderner Lifestyle interpretiert. Doch die gesundheit­lichen Konsequenzen sind unübersehbar: Es wird nicht mehr in den eigenen vier Wänden gekocht und gegessen, die unregelmäßige Nahrungsaufnahme findet überwiegend unterwegs statt.

Keine Zeit zum (Aus)Schlafen?

Wer früh auf eigenen Füßen steht, will möglichst viel vom eigenständigen Leben haben. Dieser durchaus nachvollziehbare Wunsch bedeutet jedoch, Raubbau am eigenen Körper zu betreiben. Vor allem in Kombination mit unzureichender Ernährung kann Schlafmangel schwere gesundheitliche Folgeerscheinungen nach sich ziehen. Warum die Befragten über zu wenig Schlaf klagen, geht aus der Studie jedoch nicht hervor. Es sieht so aus, als ob der moderne Lebensstil Heranwachsenden offenbar nicht ausreichend Zeit zum Ausschlafen lässt.

Mehr Gesundheitskompetenz für junge Menschen

Etwa 25 Prozent der Befragten glauben, dass das Rauchen der Grund für ihr schlechtes Wohlbefinden ist und meiden mittlerweile Zigaretten ebenso wie die E-Alterna­tiven. Mit dem Rauchen aufzuhören, ist bereits vorteilhaft für die Gesundheit. Allerdings reicht das allein nicht aus, wenn weiterhin schlecht gegessen und zu wenig geschlafen wird. Die Gesundheit kann nur ganzheitlich auf ein solides Fundament gestellt werden. Dazu gehören jedoch ausreichendes Wissen, Verständnis, Disziplin und Willen.

Vier von fünf Teilnehmern der Befragung wünschen sich umfangreichere Informationen zum Thema Gesundheit. Wie ein gesundes Leben zu gestalten ist, sollte ihrer Meinung entsprechend bereits während der Schulzeit als eigenständiges Unterrichtsfach vermittelt werden. Gleichzeitig müssten die Verantwortlichen in der Politik aber für bessere Rahmenbedingungen sorgen und hinreichend über die Gefahren von Fastfood und Schlafmangel aufklären. Maßnahmen, die rein von einer Selbstverpflichtung der Nahrungs- und Lebensmittelindustrie ausgingen, hatten in vergangenen Jahren kaum Erfolg gebracht.

Ernährungsempfehlungen für Kita und Schule

Ganz untätig ist die Politik dennoch nicht. Ende 2018 hatte die Bundesregierung die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz beschlossen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) brachte sich mit Vorschlägen und Stellungnahmen immer wieder ein.

Das überrascht nicht. Als Ärzte sind die Mitglieder der DGKJ fast täglich mit den Auswirkungen einer ungesunden Lebensweise bei Kindern konfrontiert: Übergewicht, Adipositas sowie Diabetes 2 sind immer häufiger auftretende Erkrankungen schon bei sehr jungen Patienten. In vielen Fällen ist dies auf eine Fehlernährung zurückzuführen. Daher, so empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin u.a., sollten Cateringdienste und Groß­küchen, die Kindergärten und Schulen mit Essen versorgen, sich verstärkt an Zertifizierungsprogrammen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) beteiligen und nach deren empfohlenen Richtlinien Speisepläne zusammenstellen und kochen. Eine vollwertige und gesunde Nahrung tagsüber in den genannten Einrichtungen prägt das Essverhalten der Kinder für die Zukunft.

Wie man ungesunde Lebensmittel vermeiden kann

Am Ende zeigt sich die DGKJ mit dem Ergebnis der nationalen Strategie dann auch nicht zufrieden: Die Maßnahmen seien ein guter Ansatz, bei weitem aber nicht ausreichend. Andere europäische Länder gingen deutlich rigoroser vor und haben beispiels­weise eine für alle leicht verständliche Lebensmittelkennzeichnung – den Nutri-Score – eingeführt. Damit wird unmittelbar erkennbar, ob es sich um ein gesundes oder ungesundes Produkt handelt. Das erleichtert das Vorhaben einer gesünderen Lebensweise für alle Bevölkerungsgruppen.

Aber jeder kann selbst eine Menge tun: Zu den allgemeinen Gesundheits-Tipps gehört, Zucker und Salz deutlich sparsamer zu verwenden und auch mal auf Fleisch zu verzichten. Bei Fast-Food und Fertiggerichten ist das schon schwieriger umzusetzen, da gerade diese Produkte nicht an den ungesunden Zutaten sparen. Da die meisten heutzutage ein Smartphone besitzen, können sich junge Menschen im Internet auch an wenig aufwendigen Rezepten orientieren. Selbst gekocht, zum Beispiel gemeinsam im Freundeskreis oder mit Kollegen, sorgen sie innerhalb von kurzer Zeit und mit geringem Aufwand für sowohl schmackhafte als auch gesunde Gerichte. Was viele nicht wissen oder ahnen – kochen kann sogar entspannen und damit für weniger Stress sorgen.

Von |2019-01-10T16:31:57+00:009. Januar 2019|Ernährung, Gesundheit, Politik|