/, Politik, Versicherung, Vorsorge/Rente mit 69 – Erhöhung des Renteneintrittsalters geplant

Rente mit 69 – Erhöhung des Renteneintrittsalters geplant

Die Überlegung, die deutschen Arbeitnehmer erst mit 69 Jahren in Rente zu schicken, verursacht derzeit bei zahlreichen Menschen ein ungutes Gefühl. Muss man nun davon ausgehen, dass erst ein Jahr vor Vollendung des 70. Lebensjahres die so lang erarbeiteten Früchte des Schaffens geerntet werden können?

Wie lange müssen die Deutschen noch arbeiten?

Am vergangenen Mittwoch kamen in Berlin zehn Frauen und Männer der Rentenkommission an einen Tisch, um sprichwörtlich das Kaninchen aus dem Hut zu zaubern. Die Bundesregierung hatte an die Sozialexperten die Anforderung gestellt, im Rentensystem für eine dauerhafte Stabilisierung zu sorgen. Es soll versucht werden, aufgrund der Alterung der deutschen Bevölkerung zu verhindern, dass der Beitragssatz ins Unermessliche steigt. Zudem soll das Rentenniveau langfristig gefestigt werden. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) erklärte jedoch, dass die gesetzliche Altersgrenze dadurch in keinem Falle angehoben werden solle. Für die Sozialexperten sieht der Fall nicht ganz so eindeutig aus.

Demografischer Wandel beeinflusst Rentenalter

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beauftragte Prognos, ein privates Wirtschaftsforschungsinstitut, diverse Handlungsmöglichkeiten durchzukalkulieren. Der demografische Wandel in Deutschland wird sich ab dem Jahr 2025 immens auf das Rentensystem auswirken. Tritt dann der Ruhestand für die geburtenstarken Jahrgänge in Kraft, dann kommt es zu einem Ungleichgewicht, wobei wesentlich weniger aktive Arbeitnehmer mehr Rentner finanzieren müssen. Seitens der deutschen Versicherer wurde eine Warnung herausgeben, die sich unmittelbar an die Rentenkommission und deren Tabuisierung der Anhebung der gesetzlichen Altersgrenze, richtet. Es sei die beste Lösung der Reformmöglichkeiten, wenn im Alter gearbeitet wird. So sprechen sich Prognos und die GDV dafür aus, dass die Rente mit 69 Jahren schrittweise eingeführt werden soll. Geplant ist von den Versicherern, dass zu Beginn jedes Jahr eine Anhebung von einem Monat erfolgt und im weiteren Verlauf dann um zwei Monate. Ende 2040 soll das Ziel der Rente mit 69 erreicht sein.

Gesellschaft fühlt sich allein gelassen

Bei den Deutschen könnte jetzt unweigerlich der Gedanke aufkommen, dass es allen Verantwortlichen ausschließlich um Finanzierungen und den Staatshaushalt geht. Der Mensch an sich gerät hierbei völlig in den Hintergrund. Oliver Ehrentraut ist Rentenexperte bei Prognos und sieht in der Anhebung des Rentenalters aber diverse Vorteile. Seiner Ansicht nach wird die Basis der Finanzierung der Rentenversicherung gefestigt, wenn Arbeitnehmer erst spät in den Ruhestand gehen. Zudem sollen die Steuerzahler entlastet werden, da der Bundeszuschuss dadurch einen geringeren dynamischen Anstieg erfährt. Was das jedoch für die Menschen bedeutet, vor allem im Hinblick auf einzelne Berufsgruppen, bleibt weiter abzuwarten. Weitere zwei Jahre zu arbeiten – darüber werden sich wohl die wenigsten Arbeitnehmer freuen dürfen.

2018-06-14T10:38:47+00:00 13. Juni 2018|Gesetzlich, Politik, Versicherung, Vorsorge|