Forscher: Ranziger Geruch kann das Herz schwächen

Menschliche Herzen können riechen und offenbar wirken sich Duftstoffe direkt darauf aus, wie schnell und stark ein Herz schlägt. Zu dieser Erkenntnis gelangten nun Forscher der Ruhr-Universität Bochum um Dr. Nikolina Jovancevic in Kooperation mit der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität sowie der Eberhard Karls Universität Tübingen und der Universität zu Köln. In der Fachpublikation „Basic Research in Cardiology“ veröffentlichten die Bochumer Wissenschaftler ihre Erkenntnisse über einen auf ranzige Gerüche reagierenden Rezeptor, die besonders für Diabetiker interessant sein könnten.

Pelargonsäure bremst Herzschlag

In ihren Untersuchungen versuchten die Wissenschaftler zunächst herauszufinden, ob auch Herzmuskelzellen über Duftrezeptoren verfügen und um welche Rezeptoren es sich handelt. Am häufigsten zu finden war der Rezeptor OR51E1, der durch die nach ranzigem Fett riechende Pelargonsäure aktiviert wird. Zunächst in vitro, später auch bei Untersuchungen an dem Herzgewebe konnte nachgewiesen werden, dass mittelkettige Fettsäuren am Rezeptor andocken können. Sie bewirken, dass das Herz langsamer und weniger stark schlägt. Da die Anzahl mittelkettiger Fettsäuren im Blut von Diabetikern erhöht ist, so die Forscher, könnte sich der Mechanismus negativ auf die Herzfunktion von Diabetikern auswirken.

Blocker kann Wirkung aufheben

Für Betroffene gibt es allerdings Hoffnung: In ihren Experimenten konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass der Effekt auf die Herzleistung verschwindet, sobald der Rezeptor nicht mehr auf den Duftstoff reagiert (Video). Sogar ein passender Gegenspieler zur Pelargonsäure ist bereits gefunden. Als struktureller Antagonist gilt das Molekül 2-Ethylhexansäure, das den Rezeptor blockieren kann. Im Experiment nachgewiesen werden konnte, dass das Herz nach Verabreichen dieses Wirkstoffes wieder kräftiger und schneller schlägt.

Neue Therapieansätze für Herzpatienten möglich

Für Diabetiker und Herzpatienten könnten die neuen Erkenntnisse neue Therapieansätze bedeuten, die weniger Nebenwirkungen als bisherige Herzmedikamente aufweisen. So wäre es zum Beispiel möglich, den Blocker bei Patienten mit erhöhten Fettsäurewerten im Blut einzusetzen, um therapiebegleitend negative Auswirkungen auf deren Herz zu reduzieren. Auch Patienten mit stark erhöhter Herzfrequenz könnten von den neuen Forschungsergebnissen profitieren. Sie könnten den ranzigen Duftstoff über die Haut, etwa in Form einer Salbe, aufnehmen. Die entsprechenden Rezeptoren würden aktiviert werden und die Herzfrequenz könnte auf natürliche Weise sinken.

2017-05-19T16:09:37+00:00 23. Februar 2017|Allgemein|