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Private Pflegezusatzversicherung: Anbieter müssen ihre Policen anpassen

Das zweite Pflegestärkungsgesetz, das zu Beginn des Jahres in Kraft trat, wirkt sich nicht nur auf die Einstufung Pflegebedürftiger sondern auch auf Leistungen und Kosten aus. Besonders deutlich zeigt sich das in den aktuell versendeten Nachträgen zu Pflege-Zusatzpolicen. Die Anpassung der Versicherungsscheine an das neue Recht geht in einigen Fällen mit Änderungen der Tagegelder einher.

Gesunkene Tagegelder als Folge der Pflegereform

Dass die Anbieter von Pflegezusatzversicherungen ihre Konditionen an die neue Rechtslage anpassen müssen, versteht sich von selbst, wirft allerdings bei Versicherten und Versicherungsfachleuten gleichermaßen einige Fragen auf. Besonders auffällig sind dabei gesunkene Tagegelder im Bereich der stationären Pflege, die aus aktuell versendeten Nachträgen zur Pflegepolice hervorgehen. Als Ursache dafür gilt, dass der Eigenanteil der Versicherten nun einheitlich geregelt ist – bislang sahen die Assekuranzen für jede Pflegestufe einen variablen Eigenanteil vor. Infolge dieser Änderung sieht die private Pflegeversicherung für die Pflegegrade zwei bis fünf nun denselben Betrag für stationäre Pflegegelder vor.

Wertgleiche Umstellung der Pflegepolicen

Die Änderung bedeutet grundsätzlich, dass Versicherte mit einem niedrigen Pflegegrad dank der Umstellung nun mehr Geld erhalten, Versicherte mit einem höheren Pflegegrad dagegen geringere Beträge für den stationären Pflegefall. Was zunächst ungerecht klingt, ist Folge der sogenannten wertgleichen Leistungszusage infolge der Umstellung. Dabei berechnen die Versicherungsmathematiker der Assekuranzen den Barwert der versicherten Pflegeleistungen in Bezug auf die neuen Pflegegrade und die Wahrscheinlichkeit, dass diese Leistungen benötigt werden. Die abgesenkten Leistungen für höhere Pflegegrade sowie die erhöhten Leistungen für niedrige Pflegegrade ergeben sich aus dieser mathematischen Berechnung auf Grundlage des Sonderanpassungsrechts der Versicherer.

Leistungskürzungen unzulässig

So wichtig eine Anpassung von Altverträgen an die neue Gesetzeslage ist, Leistungskürzungen der Pflegeversicherungen über die mathematische Umrechnung hinaus dürfen nicht erfolgen. Darauf weist aktuell die Verbraucherzentrale Niedersachsen hin. Im zugrunde liegenden Fall hatte die Assekuranz die Höhe des Tagesgeldes signifikant verändert, um Beitragssteigerungen zu vermeiden. Das, so die Verbraucherschützer, ist jedoch rechtswidrig. Das bislang garantierte Tagesgeld für den jeweiligen Pflegegrad muss weiterhin garantiert werden – auch wenn das Beitragssteigerungen bedeutet. Dem Versicherer steht es darüber hinaus frei, betroffenen Kunden günstigere Tarifvarianten mit reduzierten Leistungen zu offerieren.

2017-10-13T09:34:39+00:00 31. Mai 2017|Gesundheit, Versicherung|