Ab August erhalten viele privat Krankenversicherte erfreuliche Post von ihrer Versicherung: Sie bekommen Geld für das Versicherungsjahr 2018 zurück. Einige hundert Euro sind pro Kopf üblich, sogar vierstellige Beträge möglich, falls im Vorjahr keine Rechnungen eingereicht wurden. Bei vielen Unternehmen der PKV-Branche steigt die Erstattung bei mehreren leistungsfreien Jahren in Folge. Ob es lohnt, Arztrechnungen und Medikamente selbst zu zahlen, sollte auch unter steuerlichen Gesichtspunkten geprüft werden.

Zahltag im Spätsommer oder Herbst

Rund die Hälfte der am deutschen Markt tätigen Privaten Krankenversicherer hat mittlerweile Zahlen zur Beitragsrückerstattung veröffentlicht. Die Gothaer schüttet beispielsweise 27,5 Millionen Euro an 54.000 Kunden aus, bei der LVM sind es 16 Millionen Euro, von denen jeder zweite Kunde profitiert. Je nach Tarif gibt es bis zu sechs Monatsbeiträge zurück. Eine vollständige Auswertung ist zum jetzigen Zeitpunkt nur auf Basis der Geschäftsberichte 2018 und der darin ausgewiesenen Erstattungen für 2017 möglich. Branchenführer Debeka zahlte 290 Millionen Euro an 400.000 Versicherte. Die im Durchschnitt üppigste Überweisung erhielten Kunden der Continentale, einer der Top 10 Versicherer nach Beitragsvolumen: 118 Millionen Euro gingen an 106.000 Versicherte, das macht 1.110 Euro pro Kopf.

Garantierte Erstattungen sind selten

Die hohen Rückzahlungen sind ein Indiz dafür, dass es der Branche trotz steigender Kosten des Gesundheitswesens gut geht. In den wenigsten Verträgen ist eine Erstattung bei Leistungsfreiheit garantiert. Häufiger ist die erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung. Sie wird finanziert aus Überschüssen, welche die Versicherer in die sogenannte Rückstellung für Beitragsentlastungen (RfB) einstellen. Üblicher­weise erfolgt die Auszahlung in bar. Es besteht aber auch die Möglichkeit, Geld aus diesem Topf zu verwenden, um Beiträge zu senken, erforderliche Beitragserhöhungen abzumildern oder Leistungen zu verbessern. Befürworter dieses Systems begrüßen die Belohnung gesundheitsbewussten Verhaltens und die damit verbundene Entlastung der Versichertengemeinschaft. Kritiker befürchten, dass Kranke aus Kostengründen nicht oder zu spät zum Arzt gehen, besonders bei Tarifen, die ohnehin eine Selbstbeteiligung enthalten. Die Versicherer begegnen diesem Argument, indem sie Aufwendungen für Vorsorgeuntersuchungen bei der Prüfung des Anspruchs nicht berücksichtigen.

Das Finanzamt hält die Hand auf

Bis zu welchem Betrag sich das Selbstzahlen von Krankheitskosten lohnt, hängt von der persönlichen Einkommensteuer-Belastung ab. Das Niedersächsische Finanz­gericht hat entschieden, dass Krankheitskosten, die ein Steuerpflichtiger selbst trägt, um eine Beitragsrückerstattung von seiner privaten Krankenkasse zu erhalten, keine außergewöhnliche Belastung nach § 33 Einkommensteuergesetz sind (Urteil vom 20. Februar 2019, Aktenzeichen 9 K 325/16). Nach Ansicht der Richter fehlt die hierfür erforderliche Zwangsläufigkeit der Zahlungen. Umgekehrt sind die erstatteten Beiträge von den steuermindernden Sonderausgaben abzuziehen.