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Private Krankenversicherung zahlt für teures Hörgerät

Wenn ein Mitglied einer privaten Krankenversicherung ein Hörgerät benötigt, so muss dieses Hilfsmittel nicht zwingend besonders preiswert sein und keine zusätzlichen Funktionen aufweisen. Das gilt, wenn der Arzt das Hörgerät verschrieben und nichts über die technische Ausstattung festgelegt hat.

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Das Landgericht Regensburg musste über folgenden Fall entscheiden: Der Ohrenarzt eines Patienten, der privat krankenversichert war, hatte dem Mann für beide Ohren jeweils ein Hörgerät verordnet. Der Arzt hatte aber keinerlei Angaben über eine bestimmte technische Ausstattung oder besondere Funktionen des Gerätes gemacht. Der Patient ließ sich von einem Hörgeräteakustiker beraten. Der Fachmann empfahl seinem Kunden zwei Hörgeräte, von denen jedes ungefähr 3.000 Euro kostete. Der Mann folgte der Empfehlung des Hörgeräteakustikers und ließ sich die zwei Hörhilfen anpassen.

Zu teuer

Er reichte die Rechnung seinem Krankenversicherer ein, doch der wollte die Kosten in dieser Höhe nicht übernehmen. Die Begründung: Es wäre möglich gewesen, preiswertere Geräte auszuwählen, die genau so effektiv die Schwerhörigkeit des Patienten abgemildert hätten. Auch hatten die Geräte Zusatzfunktionen, die eigentlich unnötig wären. Deshalb wollte die Versicherung lediglich die Hälfte der Kosten übernehmen. Der Mann aber konnte diese Haltung der Versicherung nicht akzeptieren und zog vor Gericht.

Kosten kein Grund

Die Richter am Regensburger Landgericht konnten den Argumenten des Versicherers nicht folgen. Das Gericht stellte fest, dass die Hörgeräte zur Linderung der Schwerhörigkeit geeignet sind. Dieses Leiden ist medizinisch festgestellt und attestiert worden. Eine bestimmte und anerkannte Heilbehandlung kann nicht als unnötig abgelehnt werden, weil eine andere Methode preisgünstiger zu haben ist. Diese Regel gilt auch für Hilfsmittel wie beispielsweise Hörgeräte. Finanzielle Gründe dürfen bei der Beurteilung der medizinischen Notwendigkeit keine Beachtung finden.

Überforderungen

Nach Ansicht des Gerichtes ist es vollkommen üblich, dass ein Ohrenarzt bei einer Verordnung keine technischen Angaben zu dem Hörgerät macht. Ein Patient wäre vollständig überfordert, wenn er über die Gleichwertigkeit verschiedener Mittel und Behandlungen urteilen sollte. Diese Maßstäbe kann ein Patient nicht kennen, geschweige denn anwenden. Es kommt dazu, dass die Eignung eines Hilfsmittels eine sehr individuelle Sache ist. Erst nach langen Tests kann man als Betroffener beurteilen, welches Heilmittel am besten die Probleme beheben oder bessern kann. Ein solcher Langzeittest ist aber für einen schwerhörigen Patienten nicht durchzuführen.

Versicherung muss zahlen

Wenn ein Hörgerät, das sich ein schwerhöriger Versicherter anschafft, innerhalb des medizinisch indizierten Bereiches befindet, so muss ein privater Krankenversicherer die gesamten Kosten für dieses Gerät übernehmen. Wenn es vertraglich festgelegte Höchstgrenzen gibt, so müssen diese Grenzen natürlich eingehalten werden. (Aktenzeichen 2 S 311/08)

2017-10-17T15:39:19+00:00 28. Mai 2010|Gesundheit, Versicherung|