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Private Krankenversicherung – Drastische Zunahme von Versicherten im Notlagentarif

Immer mehr Versicherte in der privaten Krankenversicherung (PKV) landen im sogenannten PKV-Notlagentarif, wie die Bundesregierung vor Kurzem mitteilte. Bei der Einführung der Tarife im Jahr 2013 wurden sie von 93.600 Versicherungsnehmern in Anspruch genommen. Bis 2017 erhöhte sich der Wert um 13,5 Prozent auf gut 106.000 Verträge. Die Bundestagsfraktion der Linken hatte sich in einer Anfrage bei der Bundesregierung nach den Zahlen  erkundigt.

Wer den Notlagentarif wählen darf

Der Notlagentarif soll privat Krankenversicherten helfen, die mit ihren Zahlungen im Verzug sind und ihre Beiträge in den regulären Tarifen nicht mehr entrichten können. Der Leistungsanspruch ist auf eine Notfallversorgung bei akuten Erkrankungen und Entbindungen reduziert. Die Beiträge liegen im Bereich zwischen 100 und 125 Euro pro Monat. Damit ein privat Krankenversicherter den Notlagentarif nutzen kann, muss er mindestens zwei Monate mit seinen bisherigen Beiträgen im Verzug sein.

Sozialtarife immer öfter in Anspruch genommen

Bei der privaten Krankenversicherung zählt der Standardtarif zu den sozialen Tarifen. Er ist für ältere Versicherungsnehmer gedacht, die vor 2009 in die PKV eingetreten sind und Schwierigkeiten mit der Beitragszahlung haben. 38.400 Versicherte waren 2009 im Standardtarif, mehr als 50.000 wurden 2017 gezählt.

Beim PKV Basistarif dürfen die Beiträge nicht über den höchsten Monatsbeitrag der gesetzlichen Krankenkasse hinausgehen. Der maximale Beitrag liegt aktuell bei 646 Euro und wird von privat Krankenversicherten zunehmend stark in Anspruch genommen. Waren im Jahr 2009 noch 17.900 Menschen in einem PKV Basistarif versichert, stieg die Zahl bis zum Jahr 2017 auf 31.400 an.

Kontroverse Diskussionen

Notlagen- und Sozialtarife müssen von immer mehr Versicherten als letzter Ausweg gewählt werden. Die Entwicklung der Einkommen hält mit den kontinuierlich steigenden Beiträgen nicht mit. Die Leistungen in den bei Notfällen greifenden Tarifen sind oft schlechter als die der gesetzlichen Krankenkassen. Kritiker aus der Politik sehen darin den Beweis, dass die PKV nicht funktionieren kann. Der PKV Verband widerspricht dieser Ansicht energisch und weist darauf hin, dass die Notfallversorgung in beiden Systemen identisch ist. Standard- und Basistarife garantieren Leistungen auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenkassen. Wer in wirtschaftliche Not gerät und seine Beiträge nicht mehr bezahlen kann, wird bei der PKV ebenso versorgt wie bei der GKV, erklärte der PKV Verband.

GKV und PKV kämpfen mit Beitragsschulden

In der Tat musste der GKV Spitzenverband im Juli 2017 Außenstände in Höhe von gut sieben Milliarden Euro bekannt geben. Die Summe hat sich innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt. Aus Sicht des Verbands sind gesetzlich versicherte Selbständige mit vergleichsweise geringen Einkommen immer weniger in der Lage, die steigenden Beiträge zu bezahlen: Deren Außenstände belaufen sich mittlerweile auf fünf Milliarden Euro. Die Bundesregierung will ab 2019 mit deutlich niedrigeren Mindestbeiträgen reagieren. (kt)

2018-09-10T16:55:24+00:0010. September 2018|Gesetzlich, Gesundheit, Versicherung, Vorsorge|