Ab dem 1. Juli 2019 werden von den gesetzlichen Krankenkassen drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen für Kleinkinder unter drei Jahren angeboten. Darauf verständigten sich der GKV-Spitzenverband (GKV-SV) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV). Mit der Einigung werden in Deutschland zum ersten Mal Kleinkinder vom 6. bis zum vollendeten 33. Lebensmonat in das zahnärztliche Präventionsangebot eingebunden.

Vermeidung von „Nuckelflaschenkaries“

Mit den drei Früherkennungsuntersuchungen soll u.a. frühkindliche Karies, die sog. „Nuckelflaschenkaries“ erkannt bzw. vermieden werden. Eltern können ihre Kleinkinder bereits nach dem Durchbrechen des ersten Zahnes untersuchen lassen. Milchzahnkaries ist ein Problem, das nicht nur die Mundgesundheit der Kinder beeinträchtigt, sondern auch die Lebensqualität und die Entwicklung. Deshalb soll mit den frühkindlichen Präventionsuntersuchungen die Basis für eine möglichst frühe kontinuierliche, zahnärztliche Kontrolle gelegt werden. Sie stellt das Fundament für eine dauerhafte Zahn- und Mundgesundheit von Kindern dar. So können Karies, Zahnfleischentzündungen, Zahnverlust und letztendlich die Folgekrankheiten, die daraus entstehen können, vermieden werden. Der GKV-Spitzenverband und die KZBV hoffen, dass die Präventionsleistungen für Kinder von den Eltern wahrgenommen werden, damit die Mundgesundheit von Kleinkindern weiter verbessert wird.

Wie kam es zu der Einigung?

Bereits im Januar 2019 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Richtlinie zur zahnärztlichen Früherkennungen verabschiedet. Inhalte dieser Richtlinie sind die Präventionsuntersuchungen für Kinder unter drei Jahren und die Zahnschmelz­här­tung durch die Anwendung von Fluoridlack. Treibende Kraft für den Beschluss war die KZBV. Die Ausgestaltung der Ziele fand im Bewertungsausschuss statt, somit ist nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA) gewährleistet, dass die Vertragszahnärzte die neuen Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung auch erbringen können. Zu diesen zählen u.a.:

  • eingehende Untersuchung des Kindes
  • die Beratung der Eltern
  • eine Anleitung für das tägliche Zähneputzen bei Kleinkindern
  • Zahnschmelzhärtung durch Auftragung von Fluoridlack (zweimal im Kalenderhalbjahr)

Frühkindliche Karies

Early childhood caries (ECC), übersetzt „frühkindliche Karies“, gilt mittlerweile bei Kindern im Vorschulalter als häufigste chronische Krankheit. In der Regel wird sie erst bei der Einschulung der Kinder diagnostiziert, obwohl mehr als die Hälfte der Defekte bereits in den ersten drei Lebensjahren entstehen.

Neben der Nuckelflaschenkaries, die durch das Trinken bzw. Saugen von gesüßten Getränken in Nuckelflaschen gefördert wird, kann es weitere Ursachen für schlechte Zähne bei Kleinkindern geben. Sind die Kleinen tagsüber in einer Betreuungsein­richtung untergebracht, können immer weniger Krippen und Kindergärten ein gemeinsames Zähneputzen nach dem Frühstück oder Mittagessen gewährleisten. Hinzu kommt, dass viele Kinder den Akt des Zähneputzens als Stress erleben und dadurch als Belastung empfunden wird. Auch wenn moderne Smart-Zahnbürsten kein Allheil­mittel sind, können sie Familien dabei unterstützen, eine gesunde, spielerische und stressfreie Zahnputz-Routine zu entwickeln.

Die Bundeszahn­ärzte­kammer hat sich ein großes Ziel gesetzt und möchte erreichen, dass mindestens 80 Prozent der 6-Jährigen bis zum Jahre 2020 kariesfreie Zähne haben. Der Erfolg ist jedoch vom Pflichtbewusstsein der Eltern und der regelmäßigen Teilnahme der Kinder abhängig.