Positiver Trend: Anzahl der Antibiotika-Verordnungen sinkt deutlich

Die Zahl der verordneten und von klassischen Apotheken herausgegebenen Antibiotika ist deutlich gesunken. Das zumindest gab die Bundesapothekerkammer anlässlich des Europäischen Antibiotikatages am 18. November bekannt. Der Rückgang der Verschreibungen bedeutet nicht unbedingt ein Rückgang an behandlungsbedürftigen Erkrankungen, spricht aber für ein gesteigertes Bewusstsein im verantwortungsvollen Umgang mit den lebenswichtigen Medikamenten.

Verschreibungen und Antibiotika-Verkäufe signifikant gesunken

Der Erhebung der Apothekerkammer zufolge gaben die deutschen Apotheker im Jahr 2015 nur noch 590 Packungen Antibiotika pro 1.000 Versicherte aus, insgesamt mehr als 41 Millionen Packungen. Das entspricht einem Rückgang um rund 17 Prozent im Vergleich zu 2005. Grundlage der Analyse waren die Rezepte der gesetzlich Versicherten, die bei Apotheken in ganzen Bundesgebiet eingelöst worden waren. Verzerrt werden die Zahlen etwas aufgrund der Tatsache, dass Abgaben an Privatversicherte ebenso wenig berücksichtigt wurden wie Verordnungen von Zahnärzten oder Abgaben in Krankenhäusern.

Antibiotika-Einsatz bei Erkältungen gesunken

Aber nicht nur der allgemeine Antibiotika-Einsatz scheint gesunken zu sein. Wie die Techniker Krankenkasse (TK) berichtet, erhielten 2015 unter 21 Prozent ihrer Versicherten ein Antibiotikum zur Therapie von Erkältungen, wegen der die Betroffenen ein bis drei Tage krankgeschrieben worden waren. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 lag dieser Wert noch bei knapp 29 Prozent. Hier scheint also ein Umdenken bei Ärzten stattgefunden zu haben. Aus gutem Grund: Antibiotika wirken grundsätzlich nur gegen Bakterien, nicht aber gegen Virusinfektionen. Bei unkomplizierten Erkältungen gelten sie daher nicht als empfehlenswert. Dass die Zahl der Verschreibungen dem allgemeinen Trend folgt und sinkt, ist daher als positives Zeichen zu werten.

Falscher Antibiotika-Einsatz kann Leben kosten

Die sinkende Anzahl der Antibiotika-Verordnungen wird von Ärzten wie Apothekern gleichermaßen begrüßt. So betont beispielsweise Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, dass Antibiotika zwar unverzichtbar seien, aber nicht häufiger als unbedingt nötig zum Einsatz gelangen sollten. Schließlich gilt: Je höher der Verbrauch, desto höher das Risiko von Antibiotikaresistenzen. Schon heute treten immer mehr resistente und multiresistente Bakterien (siehe PDF) auf, gegen die selbst selten eingesetzte Antibiotika kaum wirken – und die durchaus Menschenleben kosten können. Als Ursache gilt ein jahrelanger falscher Umgang mit Antibiotika, angefangen bei zu sorglosen und häufigen Verschreibungen bis hin zu Einnahmefehlern bei Patienten und mangelnder Hygiene in medizinischen Einrichtungen.

2017-07-16T16:00:35+00:00 28. November 2016|Allgemein|