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PKV: Vorerkrankungen dürfen nicht verschwiegen werden

Dies zeigt der Fall einer Verbraucherin, die im Jahr 2010 den Wechsel von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die private Krankenversicherung (PKV) vollzog. Nachdem sie verschiedene Rechnungen über ärztliche Leistungen bei ihrem Anbieter eingereicht hatte, erhielt sie ein Einschreiben: Der Rücktritt der PKV vom Vertrag. In der von Journalisten eines ARD-Fernsehmagazins erfragten Begründung gab das Unternehmen an, die Versicherungsnehmerin habe in den Vertragsdokumenten angegeben, in den vergangenen Jahren weder Beschwerden noch Krankheiten gehabt zu haben. Darum habe sie auch keine Untersuchungen durch den Arzt vornehmen lassen. Wie es seitens der privaten Krankenkasse weiter heißt, habe man diese Angaben bei der GKV prüfen lassen und herausgefunden, dass diese nicht der Wahrheit entsprechen. Der Versicherungsantrag sei niemals positiv beschieden worden, wenn zuvor die tatsächliche Faktenlage bekannt gewesen wäre, unterstreicht die Krankenversicherung in Ihrer Begründung zum Vertragsrücktritt.

Kundin ließ Vertragsbestandteile durch PKV-Vertreter ausfüllen

Der Ärger bei der Verbraucherin ist groß, denn offenbar hat ihre private Krankenversicherung bei Aufdeckung der tatsächlichen Sachlage keinerlei Rücksprache mit ihr gehalten, bevor das Dokument mit der Vertragsauflösung auf den Weg geschickt wurde. Hätte sie rechtzeitig Gelegenheit erhalten, sich zu dem Fall zu äußern, wäre das Vertragsverhältnis jetzt vielleicht noch intakt. Der Hintergrund: Den Angaben der Kundin zufolge hat sie die Fragen ihres zukünftigen Krankenversicherers zu ihrem Gesundheitszustand von einem Unternehmensvertreter ausfüllen lassen. Offenbar maß dieser den Vorerkrankungen der Frau keine angemessene Bedeutung bei.

Frau steht ohne Krankenversicherung da

Für den nicht wahrheitsgemäß ausgefüllten Antrag muss die Verbraucherin nun die Konsequenzen tragen. Der von ihr eingeschaltete Fachanwalt für Versicherungsrecht ist der Auffassung, dass der PKV-Anbieter übertrieben reagiert hat. Daher habe er das Unternehmen dazu aufgefordert, den Krankenversicherungsschutz wieder wirksam werden zu lassen, so der Bericht der ARD. Durch ein Gespräch mit dem Arzt und eine entsprechende Stellungnahme sei inzwischen geklärt worden, dass die Untersuchungen nicht ausreichend „evident waren, dass sie anzugeben gewesen wären“. Der Rechtsstreit ist damit noch nicht beendet, und bis zur Entscheidung braucht die Verbraucherin eine neue Krankenversicherung.

Optionen nach Vertragskündigung durch Versicherungsanbieter

Da sie bereits über 55 Jahre alt ist, kann sie nicht mehr in die gesetzliche Krankenversicherung zurück, wie es – darüber bestehen zwischen PKV und GKV Meinungsunterschiede – offenbar nicht wenige Privatversicherte tun. Der Wechsel zu einer anderen privaten Kasse kommt in diesem Fall nur schwerlich in Frage. Die Unternehmen unterrichten sich gegenseitig auf legalem Wege über die Faktenlage, wie ein Versicherungsmakler bestätigt. Alternativ bliebe noch der Basistarif einer privaten Krankenversicherung. Hier besteht Kontrahierungszwang. Unabhängig davon empfehlen Experten, den Versicherungsantrag stets komplett eigenständig auszufüllen und sich bei Bedarf mit dem behandelnden Arzt auszutauschen.

2017-10-16T10:02:54+00:00 3. Februar 2012|Gesundheit, Recht, Versicherung|