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PKV und GKV zwischen Kooperation und Wettbewerb

Sowohl die gesetzliche als auch die private Krankenversicherung “wildert” zunehmend in klassischen Kerngebieten des jeweils anderen. Das Verhältnis beider Systeme zueinander ist aber längst nicht mehr nur geprägt von ideologischen Grabenkämpfen. Beide Seiten versuchen zunehmend Vorteile aus Kooperationen zu ziehen, wo es sich anbietet, z.B. im Bereich der Zusatzversicherungen. Gleichzeitig aber verschärft sich der Wettbewerb um die Versicherten. Die private Krankenversicherung nimmt den neuen Wettbewerb an, fordert aber auch gleiches Recht für alle, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten.

Annäherung per Gesetz

Wilfried Jacobs von der AOK Rheinland-Hamburg betonte auf dem Kassengipfel 2011 in Berlin, dass die Annäherung beider Systeme in erster Linie auf Druck des Gesetzgebers passierte. Den gesetzlichen Krankenkassen wurde mit Wahltarifen die Möglichkeit gegeben, zusätzliche Leistungen und Kostenerstattungstarife anzubieten. Die PKV musste mit dem Basistarif in den Bereich der Grundversorgung einsteigen.

Wahltarife voller Erfolg

Die Wahltarife der Krankenkassen sind nach Einschätzung Jacobs ein voller Erfolg, was die hohe Akzeptanz bei den Patienten zeige. Er räumt ein, dass den privaten Anbietern damit eine gewisse Konkurrenz entstanden ist, die von der Politik sicher ursprünglich gar nicht gewollt war. Doch Jacobs ist der Überzeugung, dass die Konkurrenz auch der PKV nicht schade. Die Diskussion um das Verhältnis zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung müsse befreit werden von “ideologischen” Aspekten, so Jacobs. Den Wettbewerb sieht er positiv.

PKV: Wettbewerb ja – aber fair

Die Private Krankenversicherung versperrt sich nach eigenen Aussagen nicht dem Wettbewerb an sich. Doch Kritik kommt vom PKV-Verband zur Konzeption der Wahltarife. Diese seien nicht risikoadequat kalkuliert, wie es private Zusatzversicherungen sind, sagte Marc-Pierre Möll vom PKV Verband. Das heißt, Wahltarife gewähren Leistungen auch ohne dass sie wirtschaftlich tragfähig sind und das Gesundheitsrisiko der Versicherten berücksichtigen. Gesetzliche Wahltarife würden durch die Grundversorgung der Krankenkassen “quersubventioniert” und daher konkurrenzlos günstig angeboten, so Möll. Wenn Krankenkassen gesetzliche Zusatzversicherungen über die Basisversorgung hinaus anbieten, dann zu denselben Bedingungen wie in er privaten Krankenversicherung. Wilfried Jacobs wies darauf hin, dass Wahltarife nicht querfinanziert würden, sondern einer strengen Aufsicht durch das Bundesversicherungsamt unterliegen.

Kooperation ist voller Erfolg

Neben diesem Wettbewerb prägen auch kooperative Aspekte das Verhältnis zwischen gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen. Seit einigen Jahren ist es den Krankenkassen erlaubt, ihren Versicherten private Zusatzversicherungen anzubieten. Dazu haben viele Krankenkassen Vertriebskooperationen mit privaten Krankenversicherungen geknüpft.

Vor allem Zahnzusatzversicherungen und Auslandskrankenversicherungen werden über diese Vertriebswege an die Kassenpatienten verkauft. Die Mehrheit der Versicherten sieht die Zusatzversicherungen positiv, so Wilfried Jacobs. Alle Seiten profitieren davon: Versicherte bekommen “alles aus einer Hand”, die private Krankenversicherung hat weiteres Marktpotenzial erschlossen und die Krankenkassen bieten weitere Services für ihre Kunden.

2017-10-16T10:41:20+00:00 17. Februar 2011|Politik, Versicherung|