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PKV schneller als GKV: elektronische Gesundheitsakte für Privatversicherte noch 2018

Noch in diesem Jahr wollen die DKV, Central und Signal Iduna gemeinsam eine elektronische Gesundheitsakte (eGA) auf den Markt bringen. Initiiert hatten diese Idee IBM Deutschland und die Techniker. Ab August bieten mit „Vivy“ auch weitere Krankenversicherer ihren Kunden einen Service, die persönlichen Gesundheitsdaten via App zu verwalten: Dazu gehören die privaten Anbieter Allianz, Gothaer und SDK sowie die gesetzliche DAK gemeinsam mit etwa 80 Betriebskrankenkassen. Mit dem neuen Angebot erhoffen sich die Krankenversicherungen nicht nur eine Kostener­sparnis. Sie möchten ihren Versicherten einen besonderen Mehrwert bieten und sich im Wettbewerb mit branchenfremden Anbietern Vorteile erschaffen.

Mehr Effizienz im Gesundheitswesen

Zielsetzung der privaten Krankenversicherungen ist es, den Wettbewerbs- und Kostendruck zu minimieren mit der Einführung der elektronischen Gesundheitsakte. Dies soll durch mehr Transparenz und einer übersichtlicheren Behandlungschronologie erreicht werden. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch die Techniker Krankenkasse (TK), die vor kurzem als die erste gesetzliche Krankenkasse mit großem Zuspruch ihr Pilotprojekt TK-Safe startete. Sie brachte eine elektronische Gesundheitsakte heraus für gesetzlich Versicherte, die nun Einblick über ihre persönlichen Gesundheitsdaten bekommen sollen.

Die private Krankenversicherung DKV erhofft sich von der elektronischen Gesundheitsakte eine deutliche Verringerung von Doppelbehandlungen, mehr Sicherheit bei Behandlungsmethoden und eine einfache und sichere Weitergabe von Befunden. Für den Versicherten soll sich eine vereinfachte Belegeinreichung positiv auszahlen. Weiterhin hofft die DKV auf eine Steigerung des Präventionsverhaltens durch Einsicht des Versicherten in die Krankenakten.

Was die Digitalisierung leistet

Wer bei einer der genannten Krankenversicherungen versichert ist, erhält damit Zugang zur eigenen Patientenakte. Er kann zum Beispiel auf die Daten der Ärzte zugreifen und sogar Röntgenaufnahmen auf dem Smartphone einsehen. Weitere Services sind Impfempfehlungen, die Speicherung wichtiger Notfalldaten, übersicht­liche Medikationspläne und Vorsorgeempfehlungen. Für die nahe Zukunft sind weitere Extras geplant. So soll es eine digitale Arztsuche geben, einen digitalen Anamnesebogen, die Möglichkeit online Termine zu vereinbaren sowie weitere Angebote zur digitalen Arzt-Patienten-Kommunikation. Ob der Versicherte das Angebot nutzt oder nicht, liegt in seinem eigenen Kompetenzbereich – er entscheidet allein, ob er die Daten zur Verwendung freigibt.

DKV, Central und Signal Iduna planen, die elektronische Gesundheitsakte in die bereits existenten jeweiligen Gesundheits-Apps einzubetten. Diese Apps werden von den Versicherten bereits zur Rechnungseinreichung und Leistungserstattung genutzt. Die in den IT-Systemen der privaten Krankenversicherungen gespeicherten älteren Daten des Versicherten können darüber hinaus in die eGA übertragen werden. Wie IBM versicherte, sind alle Daten der Gesundheitsakte komplett Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Sie werden anonymisiert auf der europäischen Cloud des IT-Unternehmens gespeichert.

Positive Resonanz bei den Versicherten

Die Weitergabe der Daten an den jeweiligen Versicherer stößt weitgehend auf Akzeptanz. Wie aus einer Umfrage der Versicherungskammer Bayern hervorgeht, würden die Versicherten das Angebot nutzen, um sich medizinisch besser zu versorgen. Interessiert zeigten sich die Befragten vor allem an eventuellen Bonusprogrammen. Fitness und Prävention stehen dabei im Vordergrund. Die Eigenverwaltung sowie telemedizinische Angebote findet positive Resonanz. Bei der Bereitstellung der Daten für den Versicherer zeigten sich die Teilnehmer der Umfrage zurückhaltender. Daten zu Alter, Größe und Gewicht wurden als unproblematisch eingestuft. Angaben zu körperlichen Beschwerden, Diagnosen und auch zum Nikotinkonsum stießen auf deutlich weniger Gegenliebe.

Datenschutz ist wichtig – Big Brother lauert überall

Weniger begeistert von dem Zugriff auf die elektronischen Gesundheitsdaten von Versicherten ist neben anderen Netzaktivisten auch der Verein digitalcourage e.V., der schon seit 1987 besteht. Er gibt zu bedenken, dass die Auswertung von Daten und deren Transfer für Versicherer und die Internetindustrie besonders lukrativ ist. Wenn nun künftig beispielsweise auch Arbeitgeber oder Geheimdienste auf diese Daten zugreifen könnten, hätte das vermutlich gravierende Folgen für die Bürger: Veröffentlichte Daten zur Gesundheit oder der Einblick in das persönliche Leben könnten Einfluss haben auf das Arbeitsverhältnis oder mit Verpflichtungen dem Arbeitgeber oder der Versicherung gegenüber einhergehen. Daher verleiht der Verein jedes Jahr in verschiedenen Kategorien besonders auffällige oder gravierende Eingriffe in die Privatsphäre mit dem BigBrotherAward.

Chancen des digitalen Zeitalters für Digital Natives

Die Generation Y – die sogenannten Digital Natives (PDF) – haben mit der Preisgabe ihrer Daten vermutlich weniger Probleme. Begeistert von den Möglichkeiten des Digitalen, bewegen sie sich ungezwungen im Netz. Das zeigt sich auch bei “Jugend gründet”, einem Businessplan- und Planspiel-Wettbewerb für Schülerinnen, Schüler und Auszubildende. Der online stattfindende Wettbewerb, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), prämiert am 20. und 21. Juni die Gewinner auf der “Jugend gründet”-Zukunftsgründermesse: Für die Sieger geht es ins Silicon Valley (USA), den Zweitplazierten wird u.a. Einblick in Amazons Ideen­schmiede und Logistikzentrum gewährt. Die jungen Teilnehmer präsentieren Innovationen, die durchaus erfolgversprechend sind. Daher scheint es auch nicht verwunderlich, dass in den vergangenen Jahren etliche Start-Ups aus ehemaligen Gewinnern hervorgegangen sind. Dazu zählt auch eine Firma, die verschiedene Zielgruppen aufklärt und sensibilisiert zum Thema digitale Sicherheit. (kt)

2018-07-19T15:57:13+00:0018. Juni 2018|Gesetzlich, Gesundheit, International, Politik, Versicherung, Vorsorge|