//Pflegeversicherung 2017: Beitragserhöhung und Einführung der Pflegegrade

Pflegeversicherung 2017: Beitragserhöhung und Einführung der Pflegegrade

Aufgrund der höheren Lebenserwartung und demographischer Veränderungen wurde im Jahr 1995 die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt. Sie bot zusätzliche Elemente und Leistungsmerkmale, die bisher nicht Bestandteile der traditionellen Krankenversicherung gewesen sind. Das Ziel war und ist die Steigerung der Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen.

Um diesen Leistungszuwachs finanzieren zu können wurde das Element der gesetzlichen Krankenversicherung modifiziert: Zum „klassischen“ Krankenversicherungsbeitrag kam ein prozentual berechneter Zuschlag mit Zweckbindung für die Pflegeversicherung hinzu. Der allgemeine Beitragssatz beträgt 2,35 Prozentpunkte. Wer über 23 Jahre alt ist und keine Kinder hat, bei dem beträgt der entsprechende Satz 2,60 Prozentpunkte, einberechnet ist der sogenannte Kinderlosenzuschlag.

Pflegestärkungsgesetz II berücksichtigt Demenz

Zum Januar 2017 werden beide Beiträge zur Pflegeversicherung um 0,20 Prozentpunkte erhöht. Hintergrund dieser Erhöhung ist eine Erweiterung der Leistungen für die Pflegebedürftigen. Die bisherigen Pflegestufen werden in Pflegegrade geändert, da viele Krankheits- bzw. Pflegebilder im bisherigen System nicht berücksichtigt worden sind. Demenzpatienten erhalten bisher viel zu wenig oder gar keine Unterstützung und können zukünftig mit mehr Leistungen der Pflegekasse rechnen.

Durch die Einführung des Pflegestärkungsgesetzes II kommen laut Angaben der Bundesregierung etwa 500.000 Menschen mehr in den Genuss der Leistungen der Pflegeversicherung. Diese fünf Pflegegrade sollen die Krankheitsbilder oder den Pflegebedarf gerechter beurteilen und entsprechende Finanzmittel mobilisieren. Für Menschen, die bisher schon Leistungen beziehen, erfolgt die Einstufung in die neuen Pflegegrade ganz ohne einen erneuten Antrag. Jedem Pflegegrad werden jeweils eine Geld- und Sachleistung für die ambulante Pflege zugeordnet, bei Wohnsitz in einem Heim gibt es einen monatlichen stationären Leistungsbetrag. Einige Zahlenbeispiele verdeutlichen die Verbesserungen insbesondere bei den höheren Pflegegraden: Die bisherige Pflegestufe 3 wird ab Januar 2017 durch den Pflegegrad 4 ersetzt. Für die Sachleistungen in der stationären Pflege bedeutet dies, dass die bisherigen Sachleistungen von knapp über 1.600 Euro auf  1.775 Euro erhöht werden.

Wahlmöglichkeit: Stärkung pflegender Angehöriger

Mit den neuen Pflegegraden bzw. der Umstellung in der Pflegeversicherung ist auch eine Stärkung derjenigen Angehörigen verbunden, die einen geliebten Menschen zu Hause pflegen. Hier werden zwischen 316 Euro (PG 2) und 901 Euro (PG 5) pro Monat erstattet, zusätzlich gibt es einen Rechtsanspruch auf den Pflegedienst-Beratungsbesuch.

Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass die neuen – erweiterten – Pflegegrade für viele Menschen voraussichtlich eine Verbesserung bringen werden, insbesondere auch im Hinblick auch auf die Anzahl der Anspruchsberechtigten. Aus heutiger Sicht erscheinen die 0,2 Prozentpunkte Beitragserhöhung gut in Pflegequalität investiert zu werden.

Redaktion

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2017-09-20T20:42:06+00:00 4. November 2016|Allgemein|