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Pflegestärkungsgesetz: Mehr Unterstützung auch für Angehörige

Das neue Pflegestärkungsgesetz verbessert nicht nur die Versorgung vieler Betroffener, es hat auch positive Wirkung auf Angehörige, die sich zur häuslichen Pflege bereit erklären. Insbesondere hier werden nun auch Leistungen berücksichtigt, die das Wohlbefinden und Wohnumfeld der Betroffenen verbessern, bisher aber nicht vom Leistungskatalog erfasst wurden. Unterstützung bei der Haushaltsführung, körperbezogene Pflege sowie pflegerische Betreuungsmaßnahmen gelten nun als Regelbestandteil der Pflegesachleistungen und werden entsprechend vergütet.

Verbesserte Rahmenbedingungen für häusliche Pflege

Pflegende Angehörige wenden ebenso wie professionelle Pflegedienste und Pflegeeinrichtungen viel Zeit für die Pflege Betroffener auf. Verbesserte Rahmenbedingungen sollen ihre Bemühungen nun unterstützen. So erhalten Beschäftigte, die in einer Ausnahmesituation kurzfristig die Pflege übernehmen, bis zu zehn Arbeitstage lang ein Pflegeunterstützungsgeld. Diese Finanzspritze gilt für eine sogenannte kurzzeitige Arbeitsverhinderung und soll eventuelle Lohn- oder Gehaltsausfälle ausgleichen, die durch verringerte Arbeitszeiten oder unbezahlten Urlaub im Brotjob entstehen. Darüber hinaus haben Angehörige von Pflegebedürftigen die Möglichkeit, eine Familienpflegezeit in Anspruch zu nehmen (siehe PDF). Sofern nahe Angehörige in häuslicher Umgebung gepflegt werden, haben die Betreuenden einen Rechtsanspruch auf Reduzierung der Wochenarbeitsstunden für bis zu 24 Monate auf minimal 15 Stunden. Für Anschaffungen oder zur Überbrückung von Einkommenseinbußen besteht die Möglichkeit, ein zinsloses Darlehen in Anspruch zu nehmen.

Stärkere Absicherung für pflegende Angehörige

Neben Leistungen, von denen pflegende Angehörige sofort profitieren, sieht das neue Pflegestärkungsgesetz auch eine stärkere Absicherung der Pflegenden vor. Sofern die zu pflegenden Angehörigen mindestens dem Pflegegrad zwei zuzurechnen sind, übernimmt die Pflegeversicherung anteilig Beiträge zur Rentenversicherung. Voraussetzung ist neben dem Pflegegrad auch eine Betreuungszeit von mindestens zehn Stunden pro Woche. Ab Januar 2017 erhalten Angehörige, die an Demenz erkrankte Angehörige pflegen, eine Absicherung über die Rentenversicherung. Wer für die Pflege naher Angehöriger vollständig aus dem Beruf aussteigt, kann kostenlose Pflegekurse der Pflegekassen in Anspruch nehmen. Für sie bezahlt die Pflegeversicherung zukünftig Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Zu beachten ist, dass die Leistungen nicht automatisch gewährt werden sondern bei der Pflegeversicherung der zu pflegenden Person beantragt werden müssen.

Deutliche Entlastung für stationäres Pflegesystem

Insgesamt 2,7 Millionen Menschen gelten heute in der Bundesrepublik als pflegebedürftig. Rund 71 Prozent von ihnen werden in ihrer häuslichen Umgebung von Angehörigen betreut. Sie tragen einen maßgeblichen Anteil zur Entlastung der professionellen Pflegedienstleister bei – oftmals unter großer körperlicher, psychischer und finanzieller Belastung. Das Pflegestärkungsgesetz soll nun dabei helfen, diese Belastungen und Einschnitte abzufedern um die Betreuung Angehöriger durch Familienmitglieder und nahestehende Verwandte zu unterstützen und attraktiver zu gestalten.

2017-10-13T12:21:08+00:00 6. Dezember 2016|Gesetzlich, Gesundheit, Recht|