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Pflegekosten zu hoch – Osteuropäer sorgen für Pflegebedürftige

Die Reform der Pflegeversicherung zum Jahresbeginn 2017 hat neben Änderungen bezüglich Pflegegrad und Leistungen vor allem eines gebracht: Höhere Kosten für Betroffene und ihre Angehörigen. Die Unterbringung in einem Pflegeheim erscheint schon heute für viele Pflegebedürftige als Luxus. Kein Wunder also, dass die häusliche Pflege boomt. Vor allem osteuropäische Betreuungs- und Pflegekräfte scheinen die Antwort auf stetig steigende Pflegekosten zu sein.

Osteuropäische Pflegekräfte oftmals günstigste Alternative

Betreuungs- und Pflegekräfte aus Osteuropa pflegen in immer größerem Umfang alte und kranke Menschen in Deutschland. Zum einen ist das auf immer weiter steigende Pflegekosten in Pflegeeinrichtungen zurückzuführen. Zum anderen wünschen sich Betroffene oftmals, in den eigenen vier Wänden zu bleiben, was Angehörige und Pflegedienste allerdings vor die Herausforderung stellt, eine ausreichende Pflege und Betreuung zu gewährleisten. Die Lösung liegt für immer mehr Betroffene darin, eine eigene Pflegekraft aus Osteuropa einzustellen.

Pflegebedürftige oder Angehörige als Arbeitgeber

Möglich ist das entweder direkt – dann tritt der zu Pflegende oder ein Angehöriger als Arbeitgeber mit allen Arbeitgeberpflichten und -rechten auf – oder indirekt über eine im Ausland ansässige Vermittlungsagentur. Die Kosten für eine Vollzeit-Pflegekraft variieren je nach Einsatzort, Erfahrung und Ausbildung der Pflegekraft und liegen in der Regel zwischen 1.800 und 2.000 Euro monatlich, ggf. plus Unterbringung und Verpflegung. Im Vergleich dazu erscheinen die üblichen Pflegekosten in einer deutschen Pflegeeinrichtung (PDF) stark über­höht – je nach Standort und Pflegeaufwand fallen hier mehrere tausend Euro pro Monat an.

Krankenkassen übernehmen Kosten häuslicher Krankenpflege

In einigen wenigen Fällen ist es möglich, hohe Pflegekosten zu umgehen – dann nämlich, wenn es sich um häusliche Krankenpflege handelt. Darunter ist die Pflege von Personen zu verstehen, die nach einem Krankenhausaufenthalt medizinische Pflege und Unterstützung im Alltag benötigen oder deren Krankenhauseinweisung vermieden werden soll. Die häusliche Krankenpflege wird von den Krankenkassen unter bestimmten Umständen bis zu vier Wochen lang gewährt. Sie kann u.U. auch von osteuropäischen Pflegekräften durchgeführt werden, die allerdings ausreichende medizinische und pflegerische Kenntnisse sowie Sprachkenntnisse mitbringen sollten.

Finanzierung häuslicher Pflege durch osteuropäische Pflegekräfte

Im Regelfall finden Pflegekräfte aus osteuropäischen Staaten wie Polen oder Tschechien in der häuslichen Pflege alter und kranker Menschen Einsatz. Da diese Pflegekräfte in der Regel keine Zulassung der hiesigen Pflegekasse besitzen, erhalten Pflegebedürftige, wie bei einer Betreuung durch Angehörige, maximal das Pflegegeld – die restlichen Kosten müssen aus eigener Tasche gezahlt werden. Das gestaltet sich anhand der geringen Renten vielerorts zu einem sozialen Problem und ist immer öfter Thema auf verschiedenen Tagungen, wie z.B. dem Kongress für Armut & Gesundheit. Dieser fand am 16. und 17. März 2017 an der TU Berlin statt und thematisierte u.a. die Zugänge und Hürden in der Gesundheitsversorgung. Allerdings ist es möglich, mit einer Pflegezusatzversicherung vorzusorgen sowie den Eigenanteil an der Pflege steuerlich als haushaltsnahe Leistung oder außergewöhnliche Belastung geltend zu machen. Die Steuerlast kann damit um bis zu 4.000 Euro pro Jahr sinken.

2017-10-16T11:35:23+00:00 18. Mai 2017|Gesundheit, International|