Mit dem Pflegestärkungsgesetz II sind 2017 die früheren drei Pflegestufen abgeändert und erweitert worden. Ziel der stärkeren Differenzierung war eine bessere, auf die jeweiligen Pflegebedürfnisse abgestellte Versorgung. Gleichzeitig wurde die Pflegebegutachtung grundlegend reformiert. Gut zwei Jahre nach der Umstellung kann eine erste Bilanz gezogen werden.

Zahl der Begutachtungen gestiegen

Medicproof ist der Medizinische Dienst der privaten Krankenversicherung (PKV) und eine Tochter des PKV-Verbandes. Das Unternehmen ist für die Begutachtung in der privaten Pflegepflichtversicherung zuständig. Medicproof hatte im vergangenen Jahr knapp 207.000 Fälle zu beurteilen, das waren 9,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Beim MDK, dem Medizinischen Dienst der gesetzlichen Krankenkassen, waren es dagegen 1,8 Millionen – ebenfalls mit deutlichen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Die stark unterschiedlichen Fallzahlen bei Medicproof und MDK erklären sich aus dem Umstand, dass die große Mehrzahl der Bundesbürger gesetzlich kranken- und pflegeversichert ist. Dementsprechend stammen die meisten Pflegeanträge aus dem gesetzlichen Bereich.

Mehr Anträge weniger Ablehnungen

Der deutliche Anstieg der Fallzahlen bei Medicproof und MDK ist in erster Linie auf Änderungs- und Folgegutachten zurückzuführen. Bei Erstbegutachtungen waren die Zahlen dagegen eher konstant oder sogar leicht rückläufig. Viele Antragsteller nutzten nach Einführung der neuen Pflegegrade die Chance, im Rahmen einer erneuten Begutachtung doch noch Pflegeleistungen oder eine bessere Versorgung zu erhalten. Vor allem Pflegebedürftige infolge von psychischen Erkrankungen und Demenz haben von der Reform profitiert.

2018 wurden bei Medicproof 5,8 Prozent der Anträge auf Pflegeleistungen abgelehnt, 2017 waren es 6,4 Prozent. Beim MDK wurde im vergangenen Jahr dagegen jeder zehnte Antrag abgelehnt, 2016 – vor Einführung der Pflegereform – war es sogar fast jeder fünfte Antrag gewesen. Aufgrund der steigenden Zahl an Begutachtungen in 2017 stockte der MDK sein Personal auf. Während beim MDK 2018 zusammen 3.145 Gutachter tätig waren, sind es bei Medicproof 1.113 gewesen. Auf einen MDK-Gutachter kamen im Schnitt 572 Fälle im Jahresverlauf, auf einen Medicproof-Gutachter dagegen nur 186 Fälle – ein Drittel im Vergleich zum MDK.

Digitalisierung liegt im Trend

Für eine fristgerechte Begutachtung der privat Versicherten setzt Medicproof auf die Vorteile der Digitalisierung. Die Schnittstelle und eine Online-Anwendung ermöglichen eine schnelle und reibungslose Übertragung der Daten von und zur Versicherung. Auch die Versicherten profitieren von der kurzfristigen Bearbeitung: Eine jährlich durchgeführte Umfrage ergab, dass im Jahr 2018 die Hälfte der Befragten mit der Begutachtung durch Medicproof sehr zufrieden und weitere 33 Prozent zufrieden waren. Im Gesamtdurchschnitt fiel das Ergebnis mit der Note 1,9 positiv aus.