Angehörige von Pflegebedürftigen werden ab dem Jahr 2020 auf der Suche nach der richtigen Einrichtung entlastet. Demnächst können sie sich bei der Auswahl der passenden stationären Pflegeeinrichtung am sogenannten Pflege TÜV orientieren. Das ist ein Bewertungssystem, das in einem transparenten Bewertungssystem anzeigt, wie ein Pflegeheim beurteilt wird.

Pflege TÜV sorgt für mehr Transparenz

Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV) wird derzeit von einer positiven Grundstimmung beherrscht. Der neue Pflege TÜV soll die alten undurch­sichtigen Systeme ablösen und die stationäre Pflege in Pflegeheimen transparenter machen und so die Qualität anheben. Auch der Gesundheitsminister Jens Spahn von der CDU fand positive Worte für das neue System, das bereits an den Start gegangen ist. Es sei ein großer Schritt zu mehr Vertrauen in das Pflegesystem. Der neue Pflege TÜV werde vor allem die aktuelle Einstellung der Pflegeheim-Bewohner wieder­geben. Das sorge für mehr Objektivität über die Pflegequalität in einer Einrichtung.

Davon profitieren Angehörige und Pflegende

Ein Pluspunkt des neuen TÜVs liegt darin, dass in Zukunft jeder, der das System nutzt, auf einen Blick erkennen kann, wie die Bewohner behandelt werden. Dabei wird von jetzt an jedes halbe Jahr eine interne Befragung durchgeführt, in der die Heimbewohner sich dazu äußern können, wie beispielsweise bei Stürzen verfahren wird, welche Hilfen sie erhalten und wie mobil sie in dem Seniorenheim sind. Nach Auswertung der Daten durch eine unabhängige Stelle werden die Ergebnisse der Heime gegenübergestellt und bewertet. So entsteht ein übersichtliches Ranking mit klaren Anforderungen und Messwerten, das die bisherigen Pflegenoten ablösen soll.

Medizinischer Dienst prüft Pflegeheime

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) überprüft zusätzlich, wie es um die Qualität der Versorgung in der Pflegeeinrichtung bestellt ist. Dabei werden die Heimbewohner sowie das medizinische Personal befragt. In Fachgesprächen erfahren Mitarbeiter des MDK, nach welchen Kriterien Menschen, die in dem jeweiligen Heim leben, gepflegt werden. Dabei wird es vor allem um aktive Therapie­maßnahmen sowie Unterstützung für mehr Mobilität gehen. 

Ab wann können die Daten eingesehen werden?

Die ersten Ergebnisse werden bis zum Ende des Jahres 2020 erwartet, da die Befragungen in den Pflegeeinrichtungen zunächst einmal durchgeführt werden müssen. Jedes Pflegeheim soll innerhalb von einem Jahr mindestens einmal befragt werden. Ebenso sollen die MDK-Daten nach und nach erhoben und Verbrauchern zur Einsicht bereitgestellt werden. Das bedeutet für Angehörige und Pflegende, die nach einer passenden Einrichtung suchen, allerdings, dass sie sich noch etwa ein Jahr in Geduld üben müssen. So lange dauert es, bis der neue TÜV endlich angelaufen ist und die wertvollen Daten einsehbar sind. 

Mit diesen Vorteilen rechnet der VdK

Der Sozialverband VdK begrüßt das neue Bewertungssystem. Als sozialpolitische Interessen­vertretung setzt sich der Verband schon seit über 70 Jahren für die soziale Sicherheit der Bürger ein und fordert schon seit langem die Überarbeitung der bestehenden Beurteilungsmethoden in der Pflege. Die Präsidentin des Verbandes Verena Bentele gab an, dass der neue Pflege TÜV eine deutliche Weiter­entwicklung gegenüber den alten Rankings darstelle, da jetzt die Ergebnisse externer Qualitätsprüfer und die internen Daten aus den Einrichtungen zusammenfließen. Bentele betont aber auch, dass es wichtig sei, die gewonnen Daten für Pflege­bedürftige und ihre Angehörigen verständlich aufzubereiten. Nur so könne der neue Pflege TÜV für die Wahlentscheidung zur richtigen Einrichtung genutzt werden. Außerdem müsse es im weiteren Schritt darum gehen, systematische Fehler in Pflegeheimen offen zulegen. Der Pflege TÜV sei dafür ein guter Anfang, stelle aber nur die zufälligen oder individuellen Fehler von Pflegekräften in den Fokus.