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Patientenrechte: Krankenkassen informieren nicht ausreichend

Um die Wirksamkeit des vor drei Jahren in Kraft getretenen Patientenrechtegesetzes zu überprüfen, beauftragte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung das IGES-Institut mit einer Studie zum Stand der Dinge. Die jetzt veröffentlichte Untersuchung zeigt: Zumindest Ärzte halten sich weitgehend an die Vorgaben. Vier von fünf Bürgern fühlen sich im Allgemeinen völlig oder ausreichend informiert, bei der Aufklärung vor Operationen sind es neun von zehn Befragten.

Patientenrechte: Selektiver Handlungsbedarf

Etwas zurückhaltender informieren Ärzte der Studie zufolge über womöglich nicht gedeckte Behandlungskosten – hier gaben nur 88 Prozent der Befragten an, Informationen erhalten zu haben. Informationen zu Behandlungsfehlern erhielten 21 Prozent der Studienteilnehmer nur auf Nachfrage. Über Bearbeitungsfristen für Leistungsanträge waren lediglich 39 Prozent der Befragten aufgeklärt worden.
Größerer Handlungs- bzw. Aufklärungsbedarf besteht auf Seiten der Patienten selbst, die offenbar nur unzureichend über ihre Patientenrechte informiert sind. So gaben lediglich 62 Prozent der Befragten an zu wissen, dass Ärzte über alternative Behandlungsmethoden aufklären müssen. Nur 48 Prozent wissen, dass Krankenkassen bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler unterstützend eingreifen müssen.

Forderung nach offensiverem Handeln der Krankenkassen

Für den Patientenbeauftragten erschreckend ist die Erkenntnis, dass der Studie zufolge 60 Prozent der Versicherten kaum oder nur oberflächlich mit den Details des Gesetzes zu ihrem Schutz vertraut sind. Lediglich 11 Prozent der Befragten gaben an, über spezifische Kenntnisse in wesentlichen Bestimmungen des Gesetzes zu verfügen. Auch unter den Ärzten besteht weiterer Aufklärungsbedarf: Rund ein Drittel der befragten Mediziner kannten das Gesetz lediglich vom Hörensagen. Staatssekretär Laumann sieht vor allem die Krankenkassen in der Pflicht und fordert einen offensiveren Umgang im Hinblick auf Aufklärung und Patienteninformation. Es gehe nicht an, so Laumann, dass die Kassen ihre Informationspflichten nur zögerlich wahrnehmen und deutliche Defizite in der Patienteninformation offensichtlich sind.

Bundesregierung stellt sich nur halbherzig hinter Patienten

So forsch der Gesetzgeber in seiner Forderung auftritt, so groß ist der Handlungsbedarf in den eigenen Reihen. So sieht das Gesundheitsministerium trotz diverser Initiativen im Bundesrat derzeit keinen Handlungsbedarf zur Verbesserung der Situation von Opfern von Behandlungsfehlern – obwohl dem Ministerium deren genaue Zahl gar nicht bekannt ist. Auch Daten darüber, wie oft Patienten ihre Patientenakte nicht einsehen dürfen und wie oft die ärztliche Aufklärungspflicht verletzte wurde, liegen dem Ministerium nicht vor.
Für Versicherte erfreulich ist zumindest, das Laumann bereits die nächste Studie beauftragt hat. Sie wird sich u.a. damit beschäftigen, wie oft und inwiefern Versicherte bei der Durchsetzung ihrer Rechte gegenüber den Krankenkassen auf Widerstand stoßen.

2017-10-17T15:50:15+00:00 17. November 2016|Gesetzlich, Recht, Versicherung|