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Patienten wollen Online-Verordnung

Ein Rezept online oder per Telefon zu erhalten, wünscht sich die Mehrheit der Bundesbürger. Das zumindest ist das Ergebnis einer kürzlich durchgeführten und veröffentlichten Befragung der Bertelsmann Stiftung unter 1005 repräsentative ausgewählten Deutschen ab 14 Jahren. Vor allem lange Wartezeiten und Anfahrtswege ließen sich für viele Patienten damit vermeiden.

Vor allem junge Menschen wünschen sich Online-Verordnung

Die veränderten Kommunikationsgewohnheiten der Deutschen spiegeln sich nach Auffassung der Bertelsmann Stiftung in den Befragungsergebnissen wider. So können sich 54 Prozent der Bundesbürger vorstellen, ihren Arzt online oder telefonisch um die Verschreibung eines Medikamentes zu bitten. Im Zweifelsfall sollte der Arzt jedoch entscheiden, ob ein Besuch in der Praxis notwendig ist, etwa um ein Krankheitsbild zweifelsfrei abzuklären. Auffällig ist, dass sich vor allem junge Befragte für die sogenannte telemedizinische Versorgung offen zeigen. Ganze 72 Prozent der 14-bis 29-Jährigen könnte sich mit dieser Option anfreunden.

Unterschied zwischen Erst- und Folgeverschreibung

Nicht nur das Alter der Befragten hat Einfluss auf die Bereitschaft, den Arzt für ein Rezept per Internet oder Telefon zu kontaktieren. Einen großen Einfluss haben offenbar auch die Art der Erkrankung sowie die Frage, ob es sich dabei um eine Erst- oder Folgeverschreibung handelt. Einer erstmaligen Medikamentenverordnung ohne vorherigen Arztbesuch stehen die Befragten eher skeptisch gegenüber. So können sich lediglich 30 Prozent der Befragten vorstellen, ein Antibiotikum gegen Bronchitis ohne vorherige ärztliche Untersuchung zu erhalten. Für die Verschreibung einer kortisonhaltigen Salbe per Telefon oder Internet zeigen sich immerhin 42 Prozent der Studienteilnehmer offen. Für Folgerezepte über Chat, Video oder Telefon zeigen sich die Deutschen deutlich offener, etwa bei der Verschreibung der Pille zur Schwangerschaftsverhütung (53 Prozent) oder eines Blutdruck senkenden Medikamentes (50 Prozent).

Streitthema Fernverschreibung

Einige Arztpraxen tragen den Wünschen der Patienten schon heute Rechnung und bieten an, Folgerezepte per E-Mail zu versenden. Rechtlich betrachtet bewegen sie sich damit allerdings auf dünnem Eis. Derzeit gelten diese sogenannten Fernverschreibungen zumindest als strittig. Schon im Mai 2016 war bekannt geworden, dass der Gesetzgeber im Rahmen des 4. AMG-Änderungsgesetzes Fernverschreibungen künftig untersagen will (siehe PDF). Insbesondere telefonische und Internetkontakte erachtet das Gesetz als nicht ausreichend, um ein Rezept ausstellen zu können bzw. zu erhalten. EU-rechtlich gilt das Vorhaben zumindest als fragwürdig. Für Patienten besteht also Hoffnung, dass Fernverschreibungen künftig nicht pauschal verboten und von mehr Arztpraxen angeboten werden können.

2017-10-17T15:34:06+00:00 29. November 2016|Gesetzlich, Gesundheit|