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Patienten fragen Dr. Google, was der Arzt empfiehlt

Viele Patienten überprüfen mit Hilfe von Google das, was Ihnen Ihr Arzt sagt. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Umfrage der Bertelsmann-Stiftung hervor. Zu erkennen ist, dass die Menschen in Deutschland generell ein gewachsenes Informationsbedürfnis an Gesundheitsthemen haben. Der Anteil derer, die sich in den vergangenen zwölf Monaten auf diesem Gebiet Sachwissen aneigneten, stieg von 2001 bis heute von 65 auf 88 Prozent.

Ergänzung zu Arzt-Informationen – gute Noten für Suchergebnisse

Die für Deutschland repräsentative Umfrage der Bertelsmann-Stiftung entstand im Herbst 2017 und basiert u.a. auf Tiefeninterviews. 46 Prozent der Menschen, die in Gesundheitsratgebern recherchieren, nutzen dazu das Internet. Jeder zweite davon macht es mindestens einmal monatlich. Dabei bekommen die Inhalte der Online-Plattformen gute Noten: 52 Prozent der Nutzer sind meistens oder immer zufrieden mit den Auskünften: Nur bei drei Prozent lautet die Rückmeldung: selten zufrieden. Die Recherche im Internet steht in einem Zusammenhang mit dem Arztbesuch: 58 Prozent gehen davor online, 62 Prozent danach.

Knapp die Hälfte der Befragten sehen die online abrufbaren Gesundheitsinformationen als Ergänzung zur Einschätzung ihres Arztes und nutzen diverse Gesundheitsportale im Internet (Test). Bei den benutzten Quellen stehen Wikipedia und andere internetgestützte Lexika mit fast Dreiviertel (72 Prozent) an erster Stelle. Hoch im Kurs stehen auch Online-Angebote der Krankenkassen, deren Nutzung folgt mit 49 Prozent. Die medizinische Online-Beratung (vier Prozent) und die Webseiten gemeinnütziger, unabhängiger Organisationen (13 Prozent) bilden die Schlusslichter. Letztere sind unter anderem Patienten- und Selbsthilfe-Organisationen (Beispiele).

Mediziner nehmen Trend an

Die Ärzteschaft reagiert auf diesen Trend und lässt sich zu einem großen Teil darauf ein. Über 60 Prozent der Mediziner tauschen sich mit ihren Patienten über die von ihnen recherchierten Informationen aus. Allerdings verweisen lediglich 40 Prozent von sich aus auf Quellen und nur ein Fünftel fordert ihre Patienten auf, sich selbst sachkundig zu machen. 14 Prozent der Ärzte raten den Patienten sogar davon ab, sich selbst zu informieren. Von den Patienten verschweigt knapp ein Drittel Ihrem Arzt die eigene Recherche. Viele fürchten einfach, dass Mediziner darauf verärgert reagieren.

Schutz vor Falschauskünften

Als Motive für die eigene Recherche geben die Patienten an, die ärztlichen Empfehlungen überprüfen zu wollen. Außerdem suchen sie nach Behandlungsalternativen und fühlen sich im Krankheitsfall von den selbst gesuchten Informationen emotional unterstützt. Die Bertelsmann-Stiftung verweist auf die Gefahr von Fehlinformationen sowie unseriösen Websites und fordert als Schutz dagegen eine Marktwächterfunktion. Sie verweist dazu auf das Projekt medizinischer Experten, die „Allianz für Gesundheitskompetenz“. Sie wollen noch in 2018 eine „Suchmaschine der Vernunft“ mit medizinischen Sachverhalten installieren: kompetent, werbefrei und seriös.

Nicht alle Internetangebote barrierefrei

Was für viele Menschen normal erscheint, kann für andere durchaus ein Hindernis sein: Um an Informationen rund um das Thema Gesundheit zu kommen, nutzen auch immer mehr Menschen mit Behinderungen das Internet. Häufig werden Ihnen dabei Steine in den Weg gelegt. Einerseits kann es sein, dass die verfassten Texte auf den Portalen zu kompliziert zu verstehen sind und nicht in sogenannter „leichter Sprache“ (Regeln als PDF) zur Verfügung stehen. Andererseits kann es für sehbehinderte Menschen Probleme beim Erfassen von Internetseiten ergeben: Hebt sich die Schrift bzw. der Text im Vergleich zum Hintergrund nicht genügend ab, kann dies zu Leseschwierigkeiten führen. Teilweise ist die Schrift einfach zu klein und es besteht keine Option zur Vergrößerung. Diesem und weiteren Themen widmet sich unter anderem die Stiftung Gesundheit und verleiht das Gütesiegel „Geprüfte Homepage“. Damit zertifizierte Websites erfüllen mindest zu großen Teilen die Kriterien eines barrierefreien Zugangs für ältere oder behinderte Menschen, damit diese genau so an der Informationsgesellschaft teilhaben können, wie Nichtbehinderte.

2018-02-09T09:56:25+00:002. Februar 2018|Gesetzlich, Gesundheit, Politik, Versicherung|