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Organspende – Jugendliche bereit, aber mehr Informationen gewünscht

Jugendliche stehen einer möglichen Organspende viel offener gegenüber als Erwachsene. Sie fühlen sich aber unzureichend über das Thema informiert. In einer Umfrage unter 14- bis 25-Jährigen gaben insgesamt 53 Prozent an, weniger gut (43 Prozent) oder gar schlecht (zehn Prozent) darüber Bescheid zu wissen. Ein Medienpaket für Schulen behebt dieses Defizit.

Medienpaket für die Klasse neun

Das Thema ist für höhere Schulklassen durchaus relevant. Ab dem 14. Lebensjahr darf ein Mensch der Organspende widersprechen, ab dem 16. Geburtstag der Spende eigener Organe zustimmen. Dort setzt ein Medienpaket an, dass die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zusammen mit der Techniker Krankenkasse entwickelte. Seit 2012 wurde dieses Medienpaket für die Klasse neun insgesamt 60.000 Mal an Lehrer und Schüler übergeben. Es vermittelt wichtige Informationen zur Organspende. Es geht zum Beispiel um die Frage, wie der Hirntod festgestellt wird oder welche Schritte vor einer Organentnahme abzuarbeiten sind. In einem 20-minütigen Video kommen Betroffene zu Wort. Zum Beispiel Bruno Kollhorst: Er lebt seit vier Jahren mit einem Spenderherz und berichtet vor Schulklassen von seinen Erfahrungen. Das Medienpaket enthält auch Arbeitsblätter, Fragen und Anregungen, selbst aktiv zu werden: zum Beispiel Rollenspiele oder Recherche im eigenen Lebensumfeld.

Einordnung der Umfrage-Ergebnisse

Diana Schulz, Sprecherin der BZgA, ordnet die Umfrage-Ergebnisse unter jungen Menschen über das Organspende-Thema in einen größeren Zusammenhang ein. Seit 2014 wird diese Altersgruppe dazu regelmäßig befragt und die subjektive Informiertheit der 14- bis 25-Jährigen nimmt kontinuierlich zu. Waren es 2014 nur 32 Prozent, die sich zur Organ- und Gewebespende gut oder sehr gut informiert fühlten, sind es 2018 immerhin schon 47 Prozent. Stefan Düll, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, interpretiert die Umfragedaten unter einem anderen Aspekt. Der Verband vertritt als Gewerkschaft Lehrer an Schulen, die auf das Abitur vorbereiten. Düll sagt: „Die Selbsteinschätzung zeigt eventuell nur auf, dass Schüler und Schülerinnen gerne noch mehr wissen wollen, ohne dass sie schlecht informiert sind.“

Vielfältige Angebote: Schulpolitik ist Ländersache

Stefan Düll nennt als Schulfächer, in denen Organspende thematisiert wird, Biologie, Religion und Ethik. Er kann sich allerdings ebenso jedes andere Fach dafür vorstellen – für ihn hängt das vom Interesse der Lehrkräfte ab. Da Schulpolitik Angelegenheit der Bundesländer ist, zeigen sich unterschiedliche Sachstände. In Niedersachsen ist die Organspende fest in den Lehrplänen allgemeinbildender Schulen verankert. In Bayern kommt das Thema in Realschulen und Gymnasien zur Sprache. Brandenburg, Bremen und Thüringen planen die Verankerung im Unterricht. Insgesamt arbeiten alle Bundesländer daran, die Organspende auf den Stundenplan zu setzen. (kt)

2018-07-19T14:48:18+00:0030. Juli 2018|Gesetzlich, Gesundheit, Politik, Vorsorge|