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Organspende durch Widerspruchslösung

Gesundheitsminister Jens Spahn nimmt sich nun des Themas Organspenden an und schaut dabei auf verschiedene Modelle in anderen europäischen Ländern. In den Niederlanden, Frankreich, Irland, Lettland und Italien sind alle Volljährigen automatisch Organspender, wenn sie dem nicht explizit widersprechen. Vor sechs Jahren war Spahn selbst noch gegen eine solche Regelung. Da aber die Zahl der Organspenden in Deutschland sinkt, muss er nun nach einer Lösung suchen.

Spender werden alle, die nicht widersprechen

Ein Zwang zur Spende von Organen kommt für Spahn nach wie vor nicht in Frage. Die Regelung, dass jeder, der nicht schriftlich der Organspende widerspricht, automatisch zum Organspender wird, würde jedoch vielen Menschen das Leben retten. Wer also künftig keinen Organspendeausweis bei sich hat, in dem er der Spende widerspricht, dem können Ärzte nach diesem Modell seine Organe entnehmen. Anders als im niederländischen Modell will Spahn aber eine Variante einbauen, bei der bei Patienten ohne Widerspruch dennoch die Angehörigen befragt werden. Diese Version wird als Widerspruchslösung mit Einspruchsrecht bezeichnet. Sie wird zum Beispiel in Norwegen, in Finnland und in Belgien angewendet. FDP und Grüne sind gegen eine Änderung der bestehenden Regelung. Spahn wünscht sich eine Debatte, bei der auch Experten gehört werden sollen. Er spricht von einer Gewissensfrage.

Organspendemangel in Deutschland

Eine Reform der Organspendegesetze in Deutschland könnte viele Leben retten, denn bisher sind nur die Menschen Organspender, die dies in ihrem Organspendeausweis ausdrücklich vermerken. Ist kein Ausweis vorhanden, entscheiden die Angehörigen. Diese wissen oft nicht, was der Verstorbene gewollt hätte und entscheiden sich im Zweifel dagegen. Bisher versuchen die Krankenkassen, ihre Mitglieder auf das Thema aufmerksam zu machen und sie dazu zu animieren, einen Organspendeausweis auszufüllen, der klar angibt ob und in welchem Umfang der Betroffene Organspender sein will. Verpflichtend ist dies nicht und soll es auch nicht werden. Wer fortan jedoch sich nicht festlegt, soll generell als Spender gelten. Das ist der große Unterschied der angedachten Reform.

Bessere Vergütung für Kliniken bei Organentnahme

Eine Garantie für mehr Spenderorgane bietet die Widerspruchslösung mit Einspruchsrecht jedoch nicht. Gleichzeitig sollen daher auch Transplantationsbeauftragte mehr Ressourcen und mehr Rechte erhalten. Angehörige sollen besser betreut werden. Zudem sieht Spahn vor, den Kliniken für Organentnahmen mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Es müsse auch an den Prozeduren in den überlasteten Kliniken etwas geändert werden, so dass verfügbare Organe konsequent an die Koordinierungsstelle gemeldet werden und die jährlich 10.000 Patienten, die auf Organe warten, auch ihre Chance bekommen. (kt)

Von |2018-09-28T09:42:30+00:005. September 2018|Gesetzlich, Gesundheit, International, Politik|