Der Deutsche Bundestag hat letzte Woche über die Zukunft der Organspende ab­ge­stimmt. Mit einer deutlichen Mehr­heit sprachen sich die Parla­mentarier für die bereits bestehende Zustimmungs­lösung aus. Damit kann eine Organ­ent­nahme weiterhin nur statt­finden, wenn der Spender zu Leb­zeiten seine aus­drückliche Ein­willigung dafür gibt. In einem neuen Online Register sollen zudem alle Bürger ihre Entscheidung für oder gegen Organ­spende dokumentieren können.

Keine Mehrheit für Widerspruchslösung

In Sachen Organspende gibt es in Deutsch­­land Nachholbedarf: Derzeit warten ca. 9000 regis­trierten Patienten auf ein lebens­rettendes Organ. Pro Jahr gibt es aber nur rund 1000 Spender in Deutschland. Um diesen Miss­stand zu beheben, hat Gesund­heits­minister Jens Spahn einen Entwurf vor­gelegt, durch den jeder Bürger zum Organ­spender werden würde, wenn er dem nicht zuvor wider­sprochen hat. Auch Gesund­heits­experte Karl Lauterbach (SPD) hatte im Vor­feld für diese Lösung ge­worben. Es sei “eine einfache un­büro­kratische Regelung, wie man zum Spender wird.”, so Lauterbach. Der europa­weite Ver­gleich zeige, dass die Wider­spruchs­lösung zu einem Anstieg von Spendern führen könne. So gibt es in Spanien, Portugal und Kroatien – alles Staaten, in denen die Widerspruchs­lösung gilt – prozentual drei- bis viermal so viele Organ­spender wie in Deutschland.

Zustimmung bleibt Voraus­setzung für Organspende

Die Abgeordneten des Bundestages ent­schieden sich in der letzten Woche aller­dings mit 432 Ja-Stimmen für die beste­hende Zustimmungs­lösung. 200 Parlamentarier sprachen sich dagegen aus, 37 Enthaltungen wurden gezählt. Eine Ab­geordneten­gruppe um Annalena Baerbock (Grüne) und Katja Kipping (Linke) hatte den Gesetz­entwurf vor­ge­legt. Baerbock betonte in der Debatte, dass das Grundgesetz den Respekt des Selbstbestimmungsrecht eines jeden Menschen vorschreibe: “Der Mensch ge­hört sich selbst, unge­fragt, ohne Wider­spruch.” Um die Bereit­schaft zur Organ­spende zu fördern, sieht der neue Gesetz­entwurf aber auch vor, dass alle Bürger künftig mindes­tens alle 10 Jahre bei der Aus­weis­erneuerung oder aber durch ihren Haus­arzt auf das Thema Organ­spende ange­sprochen werden. Außerdem solle ein neues Online Register geschaffen werden, in dem alle Bürger ihre Position zur Organ­entnahme dokumen­tieren können. Ärzte in Kranken­häusern können so schnell und zuver­lässig die Ent­scheidungen der Patienten einsehen.

Kirche und Verbände begrüßen Entscheidung

Von Seiten der christlichen Kirchen erhält die Reform viel Zuspruch. Sie sei “ein wichtiges Zeichen für den Erhalt und Schutz grund­legender (medizin-)ethischer und grund­rechtlicher Prinzipien”, erklärten die katholische Deutsche Bischofs­konferenz und die Evange­lische Kirche in Deutschland.

Auch von der Deutschen Stiftung Patien­ten­­schutz gibt es positives Feed­back, da sich die deut­liche Mehr­heit für die “Selbst­­­bestimmung” ausge­sprochen habe. Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patienten­schutz, betont aller­dings auch, dass die Zu­stimmungs­regelung nur der Anfang sein kann. Das Organ­spende­system in Deutschland bedarf einiger Ver­besse­rungen – ins­beson­dere in Sachen Informations­politik. Marketing und Werbung hätten in den letzten Jahren nicht den ge­wünsch­ten Effekt gebracht und so müsse der Fokus auch stärker auf einer neutralen, er­gebnis­offenen und um­fassen­den Auf­klärung und Beratung liegen, so Brysch. Hier sehe er besonders den Staat und speziell Jens Spahn in der Verantwortung.