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Online Arztbesuch durch Video-Sprechstunde: So funktioniert’s

Heutzutage lässt sich schon vieles online erledigen, der Arztbesuch war jedoch bislang häufig mit Anreise und längerer Wartezeit verbunden. Dort kommt man oft mit anderen Kranken in Kontakt und kann sich so eventuell anstecken oder das eigene Krankheitsbild verschlimmern. Seit dem 1. April befinden sich nun auch Video-Sprechstunden in einer rechtlich sichereren Zone und werden unter gewissen Voraussetzungen auch von den gesetzlichen Krankenkassen (Liste) getragen.

Anpassung des Rechts in Sachen Video-Sprechstunde

Das junge E-Health Gesetz integriert Video-Sprechstunden in das Paket der vertragsärztlichen Versorgung. Nicolas Schulwitz, Geschäftsführer und Mitbegründer des Berliner Unternehmens Patientus sieht hierin Grund zum Feiern, schließlich sei die Lage zuvor vor allem in Fragen des Rechts nicht ganz klar gewesen. Nun können sich Patienten auch direkt von Zuhause aus untersuchen lassen. Getragen wird die Video-Sprechstunde von Seiten der gesetzlichen Krankenkassen in bestimmten Fällen. So besagt das Gesetz zur Fernbehandlung nach § 7 Absatz 4 MBO-Ä (PDF), dass eine Diagnose nur bei einem bereits bestehenden Patientenverhältnis gestellt werden darf. So soll gewährleistet werden, dass nur Ärzte, die mit dem Krankheits­bild und dem Krankheitsverlauf des Patienten vertraut sind, die Diagnosen stellen. Informations­gespräche und Gespräche für eine zweite Meinung ohne Diagnose muss der Patient selbst tragen. Video-Sprechstunden dürfen zudem nur von bestimmten Ärzten, wie z.B. Dermatologen, Augenärzten, Chirurgen und Orthopäden angeboten werden. Auch Haus- und Kinderärzte dürfen die zeitsparende Alternative anbieten.

Schon vor knapp einem Jahr hatte die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie festgestellt, dass sich vor allem junge Menschen offen zeigen für eine telemedizinische Versorgung. Auch die Online-Verordnung von Medikamenten oder per Telefon wünschten sich damals bereits viele der Befragten, allerdings mangelte es zu der Zeit noch an den rechtlichen Rahmenbedingungen.

Datenschutz und technische Anforderungen

Neben der Patientus Online Videosprechstunde gibt es bislang erst zwei weitere zertifizierte Videodienstanbieter: Die TÜV-zertifizierte elektronische Visite elVI der La-Well Systems GmbH und die Produkte Medityme und Xpertyme der XPERTyme GmbH. Der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung haben sich unter anderem auf folgende technische Anforderungen geeinigt: Nach erfolgter schriftlicher Einwilligung des Patienten, wird die Video-Sprechstunde direkt vom Computer des Patienten zu dem des Arztes via Ende-zu-Ende-Verschlüsselung übertragen. Das heißt, es ist kein Server zwischengeschaltet, wodurch keine Daten gespeichert werden können und die Sitzung besonders sicher ist. Die Sprechstunde darf weder vom Arzt noch vom Patienten aufgezeichnet werden, muss in vertrau­lichen Räumen stattfinden und störungs-sowie werbefrei sein. Der Name des Patienten muss für den Arzt klar erkennbar sein und ein Sicherheitsnachweis der Anbietersoftware ist zwingend erforderlich.

Ablauf einer Video-Sprechstunde

Der Patient erhält bei seinem Arztbesuch, nach schriftlicher Einwilligung, einen Termin für die Folgeuntersuchung und den Zugang für die Online-Anmeldung. Die eigentliche Sprechstunde läuft dann ähnlich wie ein Video-Chat per Skype ab. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Fotos anzusehen und zu bearbeiten, Notizen zu machen und Skizzen des Arztes festzuhalten. Dies alles kann auf dem eigenen Computer gespeichert werden. Patientus beispielsweise ist hierbei für Bestands­patienten gedacht, die etwa eine Therapie weiterführen oder eine Post-OP Kontrolle durchführen. Informations-Sprechstunden sind gedacht für Neu-Patienten und zur Auskunft über verschiedene Verfahren von Behandlungen. Letztlich besteht noch die Möglichkeit, sich eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen. So kann etwa mehr Sicherheit gewonnen und bereits vorhandenes Material erneut besprochen werden.

 

2017-10-17T15:40:18+00:00 11. Oktober 2017|Gesetzlich, Recht|