Seit über zehn Jahren streiten Verbraucherschützer und Lebensmittelindustrie hierzulande um die Ausgestaltung der Nährwertkennzeichnung. Dabei haben sich andere EU-Länder längst für eine Lösung entschieden. In Deutschland ist man sich nunmehr einig geworden. Die Ernährungsministerin Klöckner hat sich für den sogenannten Nutri-Score ausgesprochen, nachdem dieser bei einer Verbraucher-Umfrage klar vorne lag. Dabei handelt es sich um eine Art Lebensmittelampel, die Kunden die Entscheidung für oder gegen ein Nahrungsmittel erleichtern soll.

Lebensmittel werden klarer gekennzeichnet

Wer heutzutage auf der Suche nach Nahrungsmitteln für eine gesunde Ernährung ist, hat es zuweilen schwer, das Kleingedruckte zu entziffern und ein geeignetes Lebensmittel zu finden. Dabei benötigen Betroffene mit beispielsweise Diabetes schnelle verwertbare Informationen über die Inhaltsstoffe der Lebensmittel. Dem setzt Bundesernährungsministerin Julia Klöckner nach einem über zehn Jahre andauernden Streit endlich ein Ende. Was in anderen EU-Ländern wie Frankreich längst gängige Praxis ist, wird jetzt auch hierzulande Verbraucher aufklären. Der Nutri-Score macht es möglich. Das ist eine Lebensmittelampel, an der Käufer von Nahrungsmitteln demnächst auf einen Blick erkennen können, wie die Inhalte der Produkte einzuschätzen sind. Die Ampel gibt an, wie hoch der Gehalt an Fetten, Salzen, Zucker oder Süßungsmitteln in der angebotenen Ware ist. Daneben fließen wichtige Inhaltsstoffe wie Eiweiß oder Protein in die Bewertung mit ein.

So funktioniert der Nutri-Score

Frankreich hat es vorgemacht. An dem Nutri-Score lesen Verbraucher dort bereits ab, wie der Nährwert in einer Skala von A bis E zu bewerten ist. Dabei sind die Buchstaben mit farbigem Feldern von Hellgrün (A) bis Signalrot (E) unterlegt.

Die mit einem ‚A‘ gekennzeichnetem Lebensmittel gehören zu den Waren, die reich sind an Ballaststoffen und Proteinen, wie Obst, Gemüse, Nüsse und Vollkornprodukte.
Das ‚E‘ steht für Produkte, die ein Übermaß an Zucker, Fett oder Salz enthalten, wie Süßigkeiten oder Chips. Kunden erkennen die vergebene Bewertung sehr einfach an dem hervorgehobenen Buchstaben auf der Farbskala.

Wie nützlich ist die Lebensmittelampel?

Während des Einkaufes steht niemand gerne lange vor einem Regal, um die Zutatenliste zu studieren. Mit dem Nutri-Score wird Verbrauchern der Weg zu einer gesunden Ernährung erleichtert, befindet auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). Sie begrüße die Einführung des Nutri-Scores sehr, da die Umfrage des Ministeriums eindrücklich die zahlreichen wissenschaftlichen Nachweise zur Wirksamkeit des Labels bestätige, erklärt Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der DDG. Allerdings betont sie, genau wie Frau Klöckner selbst, dass der Nutri-Score nur ein erster Schritt in Sachen gesunder Ernährung sein kann. So müsse neben der Verhaltensprävention auch die Verhältnisprävention in den Vordergrund rücken, durch bspw. mehr Verantwortung der Lebensmittelindustrie für Kinderernährung. Notwendig sei hierfür unter anderem auch ein Verbot von Lebensmittelwerbung für ungesunde Produkte, die sich vorwiegend an Kinder richtet.

Verbraucherorganisationen bemängeln außerdem, dass die Auszeichnung der Produkte mit dem Nutri-Score bisher keine Pflicht ist, sondern die Unternehmen sich freiwillig beteiligen können.