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Notwendige Fettabsaugung: Patientin siegt vor Gericht

Bereits im Jahr 2011 beantragte eine Verbraucherin die stationäre Liposuktion bei ihrer Krankenkasse, der DAK-Gesundheit. Diese lehnte die Kostenübernahme für den Eingriff ab. Wie die Krankenkasse 2013 gegenüber der Nordwestzeitung (NWZ) äußerte, begründet sie die Ablehnung damit, dass sich „die Liposuktion im Stadium der wissenschaftlichen Erprobung befinde und nicht dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entspreche.“ Vorangegangene Gerichtsurteile waren zum Teil zu einer ähnlichen Auffassung gelangt.

Sozialgericht gibt Klägerin recht

Das Sozialgericht Oldenburg teilte die Auffassung der Krankenkasse nicht. Diese bezog sich auch darauf, dass der gemeinsame Bundesausschuss (GBA), der die Leistungen der Krankenkassen bestimmt, die Behandlung nicht positiv beurteile. Das Gericht verwies jedoch auf die Tatsache, dass diese Beurteilung nur für ambulante Behandlungen bindend sei. Da es sich bei der Fettabsaugung in diesem Fall um eine stationäre Behandlung handelt, müsste eine Negativbeurteilung der Behandlung durch den GBA erfolgen, um diese generell auszuschließen. Die DAK-Gesundheit hat keine Berufung eingelegt und übernimmt nun die Kosten für den Eingriff.

Lipödeme: Schmerzendes Fettgewebe

Bei Lipödemen handelt es sich um eine Anhäufung von Fettgewebe an Oberschenkeln und Hüften, im weiteren Verlauf der fortschreitenden Krankheit auch an anderen Körperregionen. Die Krankheit ist nicht mit Übergewicht gleichzusetzen. Statt einer Liposuktion kommen zunächst auch konservative Therapiemöglichkeiten wie die manuelle Lymphdrainage infrage. Wirken diese nicht, kann eine Liposuktion Abhilfe schaffen.

Häufiger Streitfall vor Gericht

Urteile zur medizinisch notwendigen Fettabsaugung gab es bereits öfter – sie widersprechen sich zum Teil erheblich. So wiesen die Richter in Mainz die Klage einer Patientin ab, die die Entfernung ihres Lipödems zunächst aus eigener Tasche bezahlt hatte. Das Urteil folgte der Ansicht der Krankenkasse, dass die Behandlung mit Blick auf die gesetzliche Krankenversicherung nicht Teil des Leistungskatalogs ist. Somit müsse die Behandlung nicht von der Krankenkasse übernommen werden, hieß es. Anders urteilten Richter in Chemnitz. Hier wurde der Klage einer 34-Jährigen stattgegeben, die unter Lipödemen im Oberschenkel litt. Gutachter kamen zu dem Schluss, dass andere Behandlungsmethoden nicht mehr wirkten und der Eingriff durch die Kasse übernommen werden müsste.

Patientin wollte auch anderen helfen

Wie die NWZ berichtet, war die Patientin aus dem eingangs beschriebenen Fall vor allem vor Gericht gezogen, um auch anderen Erkrankten zu helfen. Ihr selbst hatten Ärzte bereits eine kostenfreie Behandlung angeboten. Doch die Betroffene wollte mehr erreichen. „Es ist falsch, den Menschen, die nichts für ihre Krankheit können, das Leben so schwerzumachen“, sagte sie der NWZ. Die Krankenkassen sollten lieber bei Menschen sparen, die für ihre Erkrankungen selbst verantwortlich sind.

2017-10-16T09:39:06+00:00 13. August 2014|Ernährung, Gesundheit, Recht, Versicherung|