Jetzt ist es amtlich, ab März 2020 führt das Bundesgesundheitsministerium (BMG) eine Impfpflicht gegen Masern ein. Kinder und einige Gruppen von Erwachsenen müssen ihre Immunität nachweisen oder sich impfen lassen.

Masern — keine harmlose Kinderkrankheit

Im ersten Halbjahr 2019 diagnostizierten Ärzte über 400 neue Masern-Erkrankungen. Das BMG stellte daher „eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Gesundheit“ fest und ergreift nun mit dem Masernschutzgesetz verbindliche Gegenmaßnahmen. Bei den hoch ansteckenden Masern handelt es sich um eine fiebrige Viruserkrankung. In seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenden Krankheitsverläufen mit zum Teil erheblichen Spätfolgen kommen. Einer von 1.000 Masernfällen endet tödlich. Im Falle der sehr seltenen Masern-Gehirnentzündung (SSPE) erfolgt der Tod erst Jahre nach der eigentlichen Erkrankung. Menschen unter fünf und über 20 Jahren sind besonders gefährdet. Hat der Körper die Masern auskuriert, ist er lebenslang durch Antikörper vor einer Neuinfektion geschützt.

Weltweite Eliminierung bis 2020

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) strebt bis 2020 eine weltweite Ausrottung der Masern an. Auch wenn dieses Ziel nicht mehr pünktlich zu erreichen ist, strebt Deutschland als eines von 52 Mitgliedstaaten der WHO an, keine neuen Masern-Infektionen mehr feststellen zu müssen. Laut Experten ist eine Impfquote von über 95 Prozent notwendig, um ein Ausbreiten der Krankheit zu verhindern. In der deutschen Bevölkerung gibt es zum Teil erhebliche Impflücken, die nun geschlossen werden sollen.

Wer muss sich impfen lassen?

Ab März 2020 müssen Kinder, die in eine Kita oder Schule eintreten, ihre Immunität gegen Masern nachweisen. Dies geschieht durch einen entsprechenden Eintrag im Impfpass oder den Nachweis einer überstandenen Masernerkrankung. Kinder, die bereits einen Kindergarten oder eine Schule besuchen, müssen bis spätestens 31. Juli 2021 diesen Nachweis erbringen. Erwachsene einiger Berufsgruppen sind ebenfalls durch die neuen Regelungen betroffen: Für LehrerInnen, ErzieherInnen in Kitas, sowie Beschäftigte in Gemeinschaftseinrichtungen (Ferienlager, Flüchtlings­un­ter­künfte und ähnliches) gilt die Impfpflicht. Vor 1970 Geborene und Menschen, bei denen eine Impfung gravierende negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit hätte, sind von der Impfpflicht ausgenommen. Dies muss mit einem ärztlichen Attest nachgewiesen werden.

Bußgelder bei Nichtbeachtung

Nach Inkrafttreten des Masernschutzgesetztes sind u.a. Schulen und Kitas verpflichtet, dem Gesundheitsamt Impfsäumige zu melden. Das Amt kann in diesem Fall Bußgelder bis zu 2.500 Euro verhängen. Bei Verstoß gegen die Meldepflicht, erhalten auch Einrichtungen eine Geldstrafe. Zusätzlich ist es künftig verboten, nicht geimpfte Kinder in Kitas anzunehmen und Personal ohne Masernschutz in Gemeinschaftseinrichtungen anzustellen. Um lange Wartezeiten in den Praxen zu verhindern, dürfen neben Kinderärzten alle anderen Ärzte (Ausnahme Zahnärzte) ebenfalls Masern-Schutzimpfungen durchführen.

Widerstand gegen Impfpflicht

Nicht Jeder ist mit der Impfpflicht einverstanden und kann das Risiko eines Impfschadens akzeptieren. Der Verein Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V. setzt sich gegen das neue Gesetz ein und möchte eine Regelung erwirken, bei der die Versicherten selbst entscheiden können, ob eine Impfung erfolgen soll oder nicht. Am 12. Oktober findet dazu in Berlin eine große Veranstaltung statt, bei der auch Fachleute und Politiker eingeladen sind. Der Verein möchte vor Ort und mit weiteren Kampagnen über die Folgen einer Impfpflicht informieren. Sollte damit keine Erfolg erzielt werden können, wird sich der Verein Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V. mit einer Klage gegen das neue Gesetz zur Wehr setzen.