Am 18. April 2019 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in Berlin eine Erweiterung des strukturierten Behandlungsprogramms beschlossen. Künftig sollen auch Versicherte mit dauerhaften Schmerzen im Rücken davon profitieren. Ziel des Programms ist es, die medizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronischem Rückenschmerz zu verbessern.

Kriterien für die Teilnahme

Das Krankheitsbild zum Rückenschmerz ist nicht fest umrissen. Um eine optimale Versorgung leisten zu können, ist eine gesicherte Diagnose für die Teilnahme am Disease-Management-Programm (DMP) besonders wichtig. Die Einschreibung zu dem Programm unterliegt folgenden Kriterien: Der Rückenschmerz im Kreuzbereich muss länger als 12 Wochen andauern, es bestehen deutliche Aktivitäts­ein­schrän­kungen und die Therapie muss weitergeführt werden. Nicht am Programm teilnehmen können Patientinnen und Patienten, deren Kreuzschmerz auf eine spezifische Ursache, wie zum Beispiel Wirbelkörperfrakturen, rheumatische Erkrankungen oder auf einen Tumor im Bereich der Wirbelsäule, zurückzuführen ist. Denn bei diesen Diagnosen steht die Behandlung der ursächlichen Erkrankungen im Vordergrund. Ob die Teilnahme am DMP möglich ist, prüfen die behandelnden Ärzte.

Das Programm gibt es jedoch nicht nur für gesetzlich Versicherte mit Rücken­schmerzen, Patienten mit folgenden Krankheiten können ebenfalls an einem strukturierten Behandlungsprogramm teilnehmen:

  • Asthma bronchiale
  • Brustkrebs
  • Chronische Herzinsuffizienz
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2
  • Koronare Herzkrankheit

Für die Krankheitsbilder Depression, Osteoporose und rheumatoide Arthritis arbeitet der Gemeinsame Bundesausschuss bereits an der Entwicklung von DMP-Anfor­de­rungen.

Individuelle therapeutische Maßnahmen

Die Planung der therapeutischen Maßnahmen erfolgt individuell im Arzt-Patienten-Gespräch. Dabei werden die Schmerzintensität, Aktivitätseinschränkungen und
Erfolge, die während des Behandlungsverlauf erzielt worden sind, einbezogen. Das Disease-Management-Programm umfasst auch Empfehlungen für eine grundsätzliche sowie wirkstoffbezogene Schmerzmedikation. Diese kann den Beginn der aktivierenden Maßnahmen unterstützen. Bleibt die schmerzbedingte Aktivitäts­einschränkung trotz entsprechender Medikation bestehen, kann sie den Schmerz lindern.

Unabdingbar ist die Aufklärung der Patienten über körperliche Aktivitäten, die eine positive und entscheidende Rolle bei der Behandlung spielen. Schmerzspezialist Roland Liebscher-Bracht fand gemeinsam mit seiner Frau Dr. med. Petra Bracht heraus, dass die meisten Rückenschmerzen durch Verspannungen in der Muskulatur entstehen. Es ist daher kaum verwunderlich, dass das Buch „Deutschland hat Rücken“ ein großer Erfolg wurde und viele Menschen angesprochen hat. Um Betroffene zum körperlichen Training zu motivieren, bieten Liebscher & Bracht kostenfrei zahlreiche Übungsvideos zu verschiedenen Schmerzregionen, wie Rücken, Knie, Schulter, Nacken und Hüfte, auf ihrem Youtube-Kanal an. Des Weiteren teilen sie gerne ihr Fachwissen online im Schmerzlexikon und auch vor Ort bei Vorträgen.

Praktische Umsetzung des Programms

Regionale Verträge zwischen den Krankenkassen und den Leistungserbringern, wie z.B. Vertragsärzte und Krankenhäusern, stellen die Basis für die praktische Umsetzung des DMP chronischer Rückenschmerz dar. Davor prüft das Bundes­ver­sicherungsamt, ob die Anforderungen, die in einer G-BA Richtlinie festgelegt sind, vom DMP erfüllt sind. Kommt es zu keinen Beanstandungen, treten das Programm und seine Dokumentation am ersten Tag jenes Quartals in Kraft, das auf die Veröffentlichung im Bundesanzeiger folgt.