Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in jüngster Vergangenheit um die 900 Studien weltweit zum Thema Gesundheit und Kreativität ausgewertet. Das Ergebnis bestätigt sicher die Vermutung vieler Menschen: Kreative und schöpferische Betäti­gungen wie Singen, Musizieren, Tanzen oder auch bildnerisches und geistiges Gestalten verbessern Wohlbefinden und Gesundheit.

Kreativität stärkt Gesundheit und Wohlbefinden

Ein neuer Bericht des Regionalbüros der WHO für Europa aus Kopenhagen hat deutlich gezeigt, dass sich kreative Beschäftigungen positiv auf Wohlbefinden und Gesundheit auswirken. Zu diesem Ergebnis führte die Analyse von etwa 900 Publikationen weltweiter Herkunft. Die kommis­sarische Regionaldirektorin der WHO für Europa, Dr. Piroska Östlin, teilte mit, dass durch Aktivitäten wie Singen und Tanzen, aber auch durch passiven Kunstgenuss etwa bei Museums- und Konzert­besuchen hinsichtlich der Ver­besserung der Gesundheit von neuen Dimen­sionen gesprochen werden müsse. Es handelt sich um die bisher umfassendste Untersuchung, die jemals zum Zusammen­hang zwischen Gesundheit Kunst stattgefunden hat.

Wege zur Bewältigung gesundheitlicher Herausforderungen

In dem Bericht der WHO werden zahlreiche Beispiele aufgeführt, die Wege aufzeigen, wie Kunst und Kreativität zur Bewältigung kom­plexer und schwieriger gesund­heit­licher Heraus­forderungen beitragen können. Konkret werden Krankheits­­bilder wie psychische Erkrankungen, aber auch Diabetes und Adipositas genannt. Kunst und Kreativität können in allen Lebens­abschnitten eine heilsame und unterstützende Wirkung ausüben, so Dr. Piroska Östlin. Kreativität stärkt zudem die sozialen Bande wie etwa die Verbindung zwischen Mutter und Kind. Im Alter wirkt Kunst und Kreativität dem kognitiven Abbau entgegen. Therapeutisch lässt sich schöpferisches Arbeiten bei vielen Erkrankungen sinnvoll einsetzen. Genannt werden hier Krebserkrankungen, Lungenleiden, Schlaganfälle und auch Autismus und Palliativbehandlungen.

Therapiepläne können besser umgesetzt werden

Therapiepläne können mithilfe von Kunst besser und wirksamer umgesetzt werden. Die soge­nannte Adhärenz, also das Einhalten gesetzter Therapiepläne, wird durch Kunst und ihre motivierende Kraft verbessert. Es wurde festgestellt, dass sich bei HIV-Patienten die Selbstwirksamkeit erhöht und die Viruslast reduziert. Durch künstlerisch und pädagogisch motivierte Theaterstücke kann bei Kindern und Jugendlichen eine gesunde Ernährung und ein positiver Lebensstil gefördert werden. Es über­rascht wenig, dass Tätigkeiten wie Tanzen gut geeignet sind, um gegen Übergewicht anzu­kämpfen, aber auch Musik und Lesen können beim Abnehmen helfen. Diese und andere Beispiele untermauern die Studie der WHO.

Kreativität und Kunst auf ärztliches Rezept?

Laut den Autoren der Studie befassen sich schon mehrere Länder damit, künst­lerische Aktivitäten auf ärztliches Rezept hin zu verschreiben. Solche Maßnahmen seien zudem viel günstiger, als medi­kamentöse Therapien. Künst­lerische Inter­vention können auch gut individuell ange­passt werden. In der Gesundheits­versorgung sollten sie zunehmend eine wichtige und ergänzende Rolle spielen.