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Neue Studie: Darmbakterien beeinflussen Psyche

Seit einigen Jahren gehen Forscher weltweit einem im ersten Moment sehr abwägig erscheinenden Gedankengang nach. Kann die eigene Verdauung das psychische Befinden beeinflussen? John. F. Cryan, Professor für Anatomie und Neurowissenschaft des University College Cork, und einige weitere Wissenschaftler meinen ja. Zumindest einen indirekten Effekt räumen die Wissenschaftler ein und verweisen auf ihre Forschungsergebnisse.

Von Kopf zu Darm und umgekehrt?

Dass das psychische Befinden die Verdauung beeinflusst, ist hinlänglich bekannt. Viele Menschen reagieren vor allem in Stresssituationen entweder mit einem verminderten oder erhöhten Hungergefühl oder besitzen plötzlich eine sehr angeregte Verdauung. Dass es allerdings auch andersrum möglich sein kann, ist gänzlich neu. Darmbakterien kommunizieren nicht nur untereinander sondern auch mit ihrem Wirt. Signale können vom Darmnervensystem über den Vagusnerv bis direkt ins Gehirn gesendet werden. So könnten nach E. Mayer, Professor der medizinischen, physiologischen, psychiatrischen und biobehavioralen Wissenschaften an der D.G. School of Medicine at UCLA, Darmbakterien entscheidend das psychische Wohlbefinden beeinflussen. Die ersten Befunde diesbezüglich seien seiner Meinung nach faszinierend. Die Verbindungen zwischen Darm und Gehirn verlaufen in beide Richtungen, was die Ursache-Wirkungs-Erklärung allerdings auch erschwert.

Eher moderate und indirekte Effekte

Es gibt Billionen von Mikroben und bis zu 1000 verschiedene Arten im menschlichen Darm. Diese sind nicht nur für die Verdauung zuständig, sondern stellen erst durch ihre zersetzende Tätigkeit verschiedene Enzyme, Vitamine und Fettsäuren bereit. Doch über Nerven, Hormone und das Immunsystems des Darms nehmen diese Darmbakterien auch Einfluss auf das Gehirn. Nach Professor P. Holzer für experimentelle Neurogastroenterologie an der Medizinischen Universität Graz kann ein Ungleichgewicht der Darmflora – beispielsweise Entzündungen oder Reizdarm – die Entstehung von Angsterkrankungen oder depressiven Verstimmungen bewirken. J. F. Cryan konnte mit Kollegen in einer Studie einen möglichen Einfluss von der Zusammensetzung der Darmflora auf die Entstehung von Autismus nachweisen. Cryans deutscher Kollege R. Stilling geht davon aus, dass hier die Bakterien als epigenetische Faktoren – also Umweltfaktoren, die das Wirken von Genen aktivieren oder deaktivieren – eine große Rolle spielen. Eine statistische Korrelation zu finden, ist aber in jeder Studie sehr schwierig, da viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen können.

Mit dem richtigen Essen zur guten Laune

Die Forschungsergebnisse machen Hoffnung auf neue Therapiemöglichkeiten, bei denen mittels der Darmflora psychische Leiden wie Depressionen gelindert werden können. Einige Experten hoffen, dass man künftig mit probiotischen Joghurtprodukten Einfluss auf die Psyche nehmen kann. Der Psychologe T. Dinan warnt aber vor einer allzu blauäugigen Betrachtungsweise. Denn viele der in der Werbung angepriesenen probiotischen Präparate helfen gar nicht, da deren Probiotik nicht einmal die Magensäure übersteht.

2017-10-16T09:37:46+00:00 23. Juli 2015|Ernährung, Gesundheit, Testberichte, Vorsorge|