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Neue private Krankenversicherung: Mit Digitalisierung Kosten sparen

Zum ersten Mal seit 17 Jahren wurde eine neue private Krankenversicherung – die ottonova Krankenversicherung AG – von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, zugelassen. Der Gründer, Dr. med. Roman Rittweger, will mit seiner bereits 2015 gegründeten Versicherung ganz neue Wege beschreiten und damit überwiegend junge und gut verdienende Kunden ansprechen. Ottonova konzentriert sich auf ein komplett digitales Interface, mit dem etwa der Betrieb von Filialen überflüssig wird.

Konzept und Auswirkungen digitaler Versicherer

In anderen Versicherungsbereichen gibt es eine ähnliche Entwicklung, sogenannte InsurTechs bieten ausschließlich online ihre Versicherungsprodukte an. Während zum Beispiel getsurance als Versicherungsvertreter mit der ersten digitalen Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) wirbt, treten friendsurance und wefox als Online-Versicherungsmakler ohne eigenes Filial- und Berater-Netz in Erscheinung. Der gemeinsame Nenner der verschiedenen Anbieter ist, dass durch die vollständige Digitalisierung vorrangig zwei Dinge erfüllt werden: Zum einen sollen die Kosten für die Kunden deutlich geringer als bei der althergebrachten Konkurrenz sein. Dies wird durch das Wegfallen klassischer Apparate wie etwa der örtlichen Filiale erreicht. Zum anderen soll die komplette digitale Verfügbarkeit der Kundendaten dafür sorgen, dass die Versicherten einen leichteren Zugang zu ihren Informationen erhalten. Ein weiteres Versprechen der digitalen Versicherungs-Start-Ups ist meist ein schneller und unkomplizierter Antragsprozess, durch den ein weiterer Mehrwert für die Kundschaft entstehe.

Prüfung durch Finanzaufsicht erfolgreich

Während beispielsweise friendsurance schon seit über 7 Jahren am Markt agiert, ist das Unternehmen getsurance erst seit Juni 2017 mit seinem BU-Schutz online. Die noch junge Krankenversicherung ottonova befand sich längere Zeit auf dem Prüfstand und erhielt erst kürzlich die Genehmigung der BaFin. Die Aufsichtsbehörde, zuständig für die Erteilung der Erlaubnis, untersuchte vor allem, ob die vorgeschriebene Finanzierung für mindestens drei Jahre mit den durch Investorengelder zusammengetragenen 40 Millionen Euro gegeben ist. Auch andere Faktoren, wie etwa die Kalkulationen zur Beitragsberechnung und die Qualifikationen der Beteiligten wurden hierbei geprüft. Die zahlreichen Vorgaben sind hierbei maßgeblich daran beteiligt, dass es so lange gedauert hat, bis die neue private Krankenversicherung ihre Zulassung erhielt.

Ein steiniger Weg für ottonova?

Die Gründer haben sich eine denkbar unpassende Zeit für die Gründung einer privaten Krankenkasse ausgesucht. Drei grundlegende Barrieren sind für das Start-Up zu überqueren, um am Markt erfolgreich zu bestehen: Auf der einen Seite geht der Trend stark von privaten Krankenversicherungen weg und die PKV verliert Mitglieder. Viele Kunden erwarten außerdem, dass die Leistungen der Versicherung besonders familien- und kinderfreundlich ausfallen sollen. Ein weiterer Nachteil entsteht für ottonova aus dem aktuell geringsten Rechnungszins im Feld der privaten Krankenversicherer von bloß 1,25 Prozent. Außerdem bedeutet der Verzicht auf eigene Makler zwar eine Kostenersparnis, könnte den Weg zu genügend Kunden jedoch stark erschweren. Die Zukunft wird zeigen, wie erfolgreich der Plan einer digitalen Krankenversicherung umgesetzt werden kann.

2017-11-16T08:54:54+00:00 20. Juli 2017|Gesundheit, Versicherung|