Neu ab 2017: Heilmittelverordnung nur noch mit zertifizierter Software

Gemäß § 73 Abs. 8 GKV-Versorgungstärkungsgesetz dürfen Ärzte ab dem 1. Januar 2017 nur noch Software in ihren Praxisverwaltungssystemen einsetzen, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zertifiziert wurden. Dabei ist es wichtig, dass die jeweilige Praxissoftware eine Heilmittelrichtlinien konforme Verordnung sowie besondere Verordnungsbedarfe berücksichtigt. Mit dieser Neuerung soll vermieden werden, dass sich formale Fehler bei der Ausstellung von Heilmittelverordnungen einschleichen.

Mehr Rechtssicherheit bei geringerem Aufwand

Ein weiterer Grund für die Neuregelung ist die Vermeidung von zu hohem bürokratischen Aufwand in den Praxen. Das komplexe Regelwerk umfasst die Heilmittel-Richtlinie (siehe PDF), einen 56-seitigen Heilmittelkatalog sowie einen Fragen- und Antworten-Katalog mit 17 Seiten. Zusätzlich beinhaltet es diverse Vereinbarungen über Praxisbesonderheiten sowie Diagnoselisten auf 20 Seiten. Fehlerhafte Verordnungen haben zur Folge, dass die Leistungserbringer viele Rückfragen beim behandelnden Arzt haben. Darüber hinaus ist ab 2017 damit zu rechnen, dass es aufgrund des Wegfalls der Richtgrößenprüfung zu verstärkten Überprüfungen von eventuell vorhandenen Formfehlern kommt.

Einheitliche Vorgaben schaffen

Praxisverwaltungssysteme sollen in Zukunft einheitliche Vorgaben schaffen, den bürokratischen Aufwand erheblich reduzieren und zugleich die Verordnungsqualität erhöhen. Letzteres soll beispielsweise bewirken, dass weniger Retaxierungen bei den Leistungserbringern entstehen und damit die Anzahl der Rückläufer verringert wird. Außerdem ist es nach Auffassung der KBV notwendig, die Regressgefahr möglichst stark und vor allem nachhaltig zu minimieren.

Vereinbarung eines Bundesmantelvertrags

Die inhaltlichen Vorgaben für eine Praxissoftware werden zwischen dem Spitzenverband Bund der Krankenversicherungen sowie der KBV in Form eines Bundesmantelvertrags vereinbart und beschlossen. Die Verhandlungen hierzu wurden bereits am 31. Januar 2016 erfolgreich beendet. Ausgangsbasis ist der Heilmittelkatalog, die Heilmittel-Richtlinie sowie Vereinbarungen zu Praxisbesonderheiten für Heilmittel bei besonderen Verordnungsbedarfen. Eine zertifizierte Praxissoftware ist ab dem 1. Januar 2017 bundesweit verpflichtend für alle Praxen.

2017-05-19T16:09:45+00:00 24. November 2016|Allgemein|