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Nebenwirkung Depression – Über 200 Medikamente betroffen

Mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten sind nicht nur Schweißausbrüche, allgemeines Unwohlsein oder andere medizinisch eher harmlose Folgen. Über 200 Medikamente, die Ärzte regelmäßig verschreiben, können als Nebenwirkung zu Depressionen führen. Das weist eine Studie aus den USA nach.

Vom Schmerzmittel bis zur Antibabypille

Es sind Wissenschaftler aus Chicago von der University of Illinois, die ihre aktuellen Ergebnisse jetzt im englischsprachigen Fachmagazin JAMA veröffentlichten. Demnach sind es über 200 regelmäßig verschriebene Präparate, von denen mehr als ein Drittel als mögliche Nebenwirkung Depressionen auslösen können. Die Bandbreite dieser Arzneien reicht von Herzmedikamenten über Antibabypillen bis hin zu Schmerzmitteln. Als Datenbasis dienten 26.000 Teilnehmer über 18 Jahre aus den USA, die zwischen 2005 und 2014 mindestens eines dieser verschreibungs­pflichtigen Medikamente einnahmen. Kritiker der Studie bestätigen, dass sie den Zusammenhang zwischen der Einnahme dieser Präparate und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit zeigt, an einer Depression zu erkranken. Eine Verbindung von Ursache und Wirkung vermissen die Studien-Kritiker jedoch.

Erkenntnisse nicht gänzlich neu

Die Studie weist einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der eingenommenen Medikamente und der Depression nach. Bei nur einem Arzneimittel beträgt sie sieben Prozent. Nahmen die Teilnehmer zwei dieser Medikamente, stieg die Depressionsrate auf neun Prozent. Griffen die Probanden regelmäßig zu drei oder mehr der untersuchten Arzneimittel, bekamen sie zu 15 Prozent Depressionen. Völlig überraschend sind die Erkenntnisse dieser Studie nicht. Bekannt war schon zuvor, dass Medikamente zur Behandlung körperlicher Krankheiten durchaus Depressionen auslösen können. Ein Beispiel dafür sind Arzneimittel bei Erkrankungen des Herzens oder der Lunge: Hier ist ein Zusammenhang zwischen körperlicher und seelischer Krankheit bereits erforscht.

Präparate beeinflussen die Stimmung

Es gibt einige Medikamente, bei deren Einnahme Depressionen besonders häufig entstehen können. Dazu gehören unter anderem bestimmte Antibabypillen. Bei oralen Kontrazeptiva weisen die Wissenschaftler einen klaren Zusammenhang zwischen dem Hormonspiegel und dem Stimmungszustand nach. Bei Herzmedika­menten hingegen ist nach Feststellungen der Studie diese Verbindung deutlich schwerer zu erkennen: Verursachen die Arzneimittel die Depressionen oder der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten?

Forscher geben Empfehlungen

Welche Konsequenzen haben die Ergebnisse der Studie für Menschen, die solche Medikamente einnehmen? Die Forscher empfehlen Gelassenheit: Wer keine Anzeichen von Depression beobachtet, nimmt die Arzneimittel – so wie verordnet – einfach weiter. Wer allerdings depressive Stimmungen spürt, seitdem diese Medika­mente zum Leben gehören, sucht möglichst schnell Haus- oder Facharzt auf. (kt)

2018-07-19T16:12:53+00:005. Juli 2018|Gesetzlich, Gesundheit, Vorsorge|