Um zukünftig die Digitalisierung des Gesundheitssystems verstärkt vorantreiben zu können, hat der Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV) einen Millionen Fonds eingerichtet. Insgesamt 100 Millionen Euro wurden für den „heal capital” Fonds bereitgestellt. Zusätzlich unterstützt wurde die PKV dabei von Investment­firmen wie „Heartbeat Labs” und „Flying Health”. Ziel ist es, Startups bei der Ent­wicklung von Innovationen für die Gesundheitsversorgung zu fördern. Mit dem Millionen-Projekt greift die PKV den gesetzlichen Krankenkassen vor und sieht sich bereits als treibende Kraft der gesundheitlichen Digitalisierung.

Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet nur zögerlich voran

Der Gesundheitsfonds der PKV macht Hoffnung auf eine baldig voranschreitende Digitalisierung der Gesundheitsversorgung. Das ist auch dringend nötig, denn bisher schritt diese in Deutschland nur zögerlich voran. Deutlich wurde das in einer Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) von 2018, die sich systematisch mit der Digitalisierung der deutschen Wirtschaft auseinandersetzt. Dem­nach liegt das Gesundheitswesen im Branchenvergleich auf dem letzten Platz. Es erhielt lediglich 37 von 100 möglichen Punkten. Einziger Lichtblick der ZEW-Studie sind die Prognosen der kommenden Jahre. So gehen die Unternehmen davon aus, dass der Digitalisierungsgrad in den nächsten fünf Jahren um fünf Punkte steigt. Damit würde das Gesundheitswesen mit dem Fahrzeugbau gleichauf liegen.

Ursachen für die bisher mangelnde Integration von technischen Hilfsmitteln in der Gesundheitsversorgung, sieht der GKV-Spitzenverband in der fehlenden Markt­tauglichkeit vieler Produkte. Demnach befände sich ein Großteil noch in der Erprobungsphase. Des Weiteren lägen keine gesicherten Aussagen zum Nutzen solcher Assistenztechnologien vor. Der Druck auf die Kranken- und Pflegekassen sei jedoch erheblich, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzen­verbandes Gernot Kiefer. Grund dafür sei vor allem der Mangel an Pflege­kräften sowie die wachsende Zahl an Pflegebedürftigen.

PKV will Telemedizin vorantreiben

Um den Prozess der Digitalisierung voranzutreiben, investierte die PKV 100 Millionen Euro in ihren „heal capital” Fonds und zieht damit in ihren Bemühungen an der GKV vorbei. Mit Hilfe des Geldes sollen in Zukunft Startups bei der Entwicklung von digitaler Innovation unterstützt werden. Schwerpunkte liegen dabei auf der Digitalisierung der Pflege, Prävention und Telemedizin. Weitere Investitionen im Millionenbereich kamen von Unternehmen wie „Heartbeat Labs” und „Flying Health”. Grundlage für die Einrichtung des „heal capital” Fonds war der im Juli vom Bundes­kabinett gebilligte Entwurf für ein Digitales-Versorgungsgesetz. Demnach dürfen Krankenkassen bis zu zwei Prozent ihrer Rücklagen in Fonds anlegen, um junge Unternehmen zwecks Verbesserung des digitalen Gesundheitssystems zu fördern. Die PKV startet diese Initiative im vierten Quartal 2019. Die Dauer des Fonds ist auf mindestens zehn Jahre vorgesehen.

Innovative Möglichkeiten durch technologischen Fortschritt

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an technischen Hilfsmitteln, die unterstützend eingesetzt werden können. Darunter beispielsweise sensorausgestattete Fußmatten, die Stürze erkennen, GPS-Sender für Patienten, die an Demenz erkrankt sind oder Bewegungsspiele an der Konsole. Darüber hinaus gibt es bereits verschiedene Studien, die digitale Innovationen in ihre Patientenbetreuung integrieren. So auch „EHeR versorgt”, eine Initiative, die vom Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie ins Leben gerufen wurde. „EHeR versorgt” ermöglicht es Menschen, die an Herzinsuffizienz leiden, auch zwischen den Arztbesuchen gut versorgt zu sein und zwar mit Hilfe von modernem Telemonitoring. Das bedeutet, dass Patienten regel­mäßig in den eigenen vier Wänden Gewicht, Blutdruck und Puls messen und diese Daten automatisch an das Telemedizinzentrum übertragen werden. Dort können die Werte geprüft und aufgrund der Daten Therapien noch besser angepasst werden. Im Fall von gesundheitlichen Veränderungen sind die behandelnden Ärzte ebenfalls in der Lage, schnell und adäquat zu reagieren. Ziel ist es, in Zukunft deutschlandweit Patienten derart behandeln zu können.