Blutzuckerwert messen, Erkältungen diag­nostizieren, den passenden Arzt in der Nähe empfehlen: All das leisten sogenannte Medizin-Apps schon heute. Patienten könnten diese Apps bald schon auf Rezept erhalten. Doch viele der digitalen Helfer weisen erhebliche Mängel beim Thema Datensicherheit auf. 

Neues Gesetz will Apps zur Kassenleistung machen

Laut eines Gesetzentwurfs von Gesundheits­minister Jens Spahn sollen die Kosten für Medizin-Apps zukünftig von den Krankenkassen übernommen werden, wenn ein Arzt sie seinem Patienten verschreibt. So könnten digitale Symptom-Tagebücher oder Apps zur Überwachung des Blutzuckerspiegels bei Diabetes bald ganz selbst­verständlich zu einer umfassenden medizinischen Versorgung gehören. Das wäre ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Telemedizin.

Noch muss der Bundestag über diesen Entwurf beraten, aber schon 2020 solle das “Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation“ in Kraft treten. Die Daten­sicherheit und Funktionalität der Apps werde vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) überprüft und sicher­gestellt. Außerdem müssen die App-Hersteller nachweisen, dass ihre Programme die Versorgung der Patienten auch tatsächlich verbessern. Man werde „nicht jeden Gimmick finanzieren“, sondern auf einen hohen Qualitäts­standard achten, so der Gesundheitsminister. 

Datensicherheit bleibt Risiko

Doch der Einsatz von Medizin-Apps ist durchaus umstritten. Gerade in puncto Datensicherheit wiesen die digitalen Tools in der Vergangenheit oft erhebliche Mängel auf. Eine Untersuchung des Zertifizierungsdienstleisters ePrivacy stellte fest, dass bei 52 Prozent der 140 getesteten „Medical Apps“ ein Auslesen sensibler Userdaten möglich war. Außerdem konnten bei fast drei Viertel der Apps gesendete und empfangene Daten manipuliert werden.

Die Gründe für die mangelnde Datensicherheit sind vielfältig: Zum Einen steht bei der Entwicklung von Medizin-Apps nicht immer der gesundheitliche Nutzen des Patienten im Vordergrund – viele Hersteller verdienen durch das Sammeln und die Weitergabe von persönlichen Daten ihr Geld. Hier lohnt sich ein genauer Blick in die Nutzungsbedingungen der jeweiligen App. Zum Anderen stehen die Hersteller vor der Herausforderung, Apps für eine Vielzahl von technischen Plattformen, wie unterschiedliche Betriebssysteme, Browser und Hardware zu entwickeln. Fehlende Sicherheits­updates oder das Verwenden von unsicheren Passwörtern auf dem eigenen Smartphone, Tablet und Co. können außerdem ein erhöhtes Sicherheitsrisiko darstellen. 

CE-Kennzeichnung bietet Orientierung

Ein Gütesiegel verspricht Orientierung in dem großen Angebot der App-Stores. Medizin-Apps können mit der CE-Kennzeichnung ausgewiesen werden. Mit diesem Siegel verpflichten sich die Hersteller schon heute zu einer „lückenlosen Konformität mit den gesetzlichen Bestimmungen“ des Produktes und zu einer umfassenden jährlichen Überprüfung der Qualitätsstandards. Diese Kennzeichnung erhalten nur Medizin-Apps, deren Hauptanliegen der medizinische Nutzen für den User ist und die ein gesetzliches Maß an Datenschutz und -sicherheit nicht unterschreiten.

Medizin-Apps sind auch für Ärzte hilfreich

Medizin-Apps sind nicht nur für die Patienten eine sinnvolle Neuerung. Auch Mediziner selbst können von den digitalen Helfern profitieren. Das Schweitzer Start-up imito hat sich auf diesen Bereich spezialisiert. Ihre App „imitoCam“ ermöglicht es Ärzten und Pflegenden, Wunden, Fotos und Videos mithilfe der Handykamera aufzunehmen und direkt über eine sichere Verbindung in der digitalen Akte des Patienten zu speichern. Wie die Gründer von imito sagen, würde vielen Fachpersonen Fotos des Patienten ausreichen, um beispiels­weise den Heilerfolg einer Wunde bewerten zu können. Alle relevanten Unterlagen sind sofort für alle an der Be­handlung Be­teiligte verfügbar, sowohl in der App, als auch in der digitalen Patienten­akte. Über den sicheren Chat der App ist es außerdem möglich, sich eine zweite Meinung eines Kollegen einzuholen, was die Nutzung von unsicheren Messenger-Apps verhindert. Durch die einfache Kategori­sierung während der Aufnahme (z. B. Art und Lokalisierung einer Wunde), sind Medien auch nach der Doku­mentation durch die intelligente Suche auffindbar und wiederverwendbar. Dadurch sind Apps wie imitoCam auch für die Lehre und Forschung ein wichtiger Schritt in Richtung Digital­isierung in der Medizin.