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Masern: Viele Kinder sind nicht geschützt

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist eine Impfquote von 95 Prozent der Bevölkerung notwendig, um die Masern innerhalb Europas auszurotten. Von diesem Ziel ist Deutschland heute weiter entfernt als noch vor wenigen Jahren. Lediglich 63 Prozent der Babys und Kleinkinder hierzulande sind dem kürzlich veröffentlichten Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) zufolge ausreichend vor der Kinderkrankheit geschützt. Für immerhin 73.000 Kinder besteht damit die Gefahr, an der hoch ansteckenden Krankheit zu leiden – zum Teil schwerwiegende Nebenwirkungen eingeschlossen.

Impfquote: Große Unterschiede zwischen einzelnen Regionen

Das vergangene Jahr zeigt eindrucksvoll, dass Deutschland von den Vorgaben der WHO derzeit weit entfernt ist. Knapp 2.500 Fälle von Masernerkrankungen wurden 2015 gemeldet. Erstmals seit langer Zeit verstarb ein Kleinkind in Berlin an Masern – obwohl eine vollständige Impfung davor bewahren kann. Ob und in welchem Umfang ein Kind geimpft wird, hängt der Statistik des Zentralinstituts zufolge u.a. vom Wohnort der Eltern ab – zwischen den einzelnen Regionen Deutschlands bestehen große Unterschiede im Hinblick auf deren Impfbereitschaft. Während in den niedersächsischen Städten Peine und Wolfsburg immerhin 78 Prozent der Kleinkinder bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres vollständig geimpft werden, sind es in den Schlusslichtern Bad Tölz, Garmisch-Partenkirchen und Rosenheim lediglich 36-42 Prozent.

Eltern verzichten auf zweite Impfung

Als besorgniserregend gilt darüber hinaus, dass Eltern ihre Kinder zwar einmalig impfen lassen – zur Erlangung des vollständigen Schutzes sind allerdings zwei Impfungen notwendig. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist der thüringische Saale-Orla-Kreis. Hier erhalten vorbildliche 96 Prozent der Kinder die erste Impfung – aber nur 63 Prozent die wichtige zweite Spritze. Experten vermuten hier einen Aufklärungsbedarf bei den Eltern, denen offenbar nicht bewusst ist, dass eine einmalige Impfung in etwa fünf Prozent der Fälle nicht anschlägt.

Alles andere als eine harmlose Kinderkrankheit

Impfgegner und -skeptiker argumentieren gern mit möglichen Nebenwirkungen und Schädigungen durch Impfen – und verharmlosen gerade Kinderkrankheiten gern. Dabei sind vor allem Masern nicht zu unterschätzen: Nahezu alle Ungeimpften infizieren sich bei Kontakt mit einem Erkrankten. Der Kontakt muss nicht einmal direkt bestehen, da sich die Viren selbst in der Luft für rund zwei Stunden halten. Neben den unangenehmen Krankheitssymptomen wie hohem Fieber, Husten und Schnupfen bergen Masern auch das Risiko von Komplikationen wie einer Hirnhautentzündung, Gehörverlust oder dem Tod des Erkrankten. Kein Wunder also, dass der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte eine Impfpflicht fordert. Der ständigen Impfkommission zufolge sollten Kinder im Alter von 11-14 Monaten erstmalig und zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat zum zweiten Mal gegen Masern geimpft werden.

2017-10-16T13:38:37+00:00 9. November 2016|Gesundheit, Vorsorge|