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Luft braucht der Mensch – Doch saubere Luft ist Mangelware

Ob Yoga, Tai Chi, oder Bewegung an der “frischen Luft” – tiefes Durchatmen ist der Kern jeglicher Entspannungsübung. Doch was gut gemeint ist, kann heutzutage zu erheblichen Gesundheitsschäden führen. Denn das, was da vielerorts eingeatmet wird, liegt weit oberhalb gesunder Grenzwerte. Laut einem Report der Europäischen Umweltagentur (EEA), ist die schlechte Luftqualität in Europa eine der Hauptur­sa­chen für vorzeitige Todesfälle. Ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt zudem fest, dass verschmutzte Luft das Leben nahezu aller Kinder weltweit stark beeinträchtigt.

Luftverschmutzung auf der ganzen Welt verbreitet

In Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen sind circa 98 Prozent aller unter Fünfjährigen von den Folgen erhöhter Luftverschmutzung betroffen. In wohlhabenden Ländern liegt die Zahl mit 50 Prozent zwar deutlich darunter, ist aber immer noch erschreckend hoch. Somit ist ein Großteil der Kinder Schadstoffwerten oberhalb der WHO-Richtlinien ausgesetzt – sowohl zu Hause, als auch im Freien. Forscher errechneten, dass im Jahr 2015 insgesamt 442.000 Todesfälle auf zu hohe Luftverschmutzung zurückzuführen waren. Davon entfallen ca. 391.000 auf die 28 EU-Mitgliedsstaaten. Auch die Europäische Umweltagentur und deren Direktor Hans Bruyninckx sieht in der Luftqualität von 41 europäischen Staaten eine der größten Bedrohungen für die Gesundheit der Bewohner. Das Gefahrenpotential ist besonders durch die unmittelbare Nähe des Menschen zur schlechten Luft gegeben. Die Auswertung von 2500 Messstationen in ganz Europa ergab, dass sich die Qualität der Luft zwar verbessert habe, aber die Standards der EU und der WHO an vielen Stellen nach wie vor nicht erfüllt werden.

Schlechte Luft schadet insbesondere Kindern

Dem Bericht der WHO zufolge atmen täglich 1,8 Milliarden Kinder Luft, die sich negativ auf Gesundheit und Entwicklung von unter 15-jährigen auswirkt. Betroffen sind weltweit 93 Prozent aller Kinder dieser Altersklasse. Bereits im Mutterleib sind Ungeborene den schädlichen Stoffen ausgesetzt. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder zu früh oder mit zu wenig Gewicht geboren werden. Die Schadstoffe beeinträchtigen die Entwicklung des Gehirns, können chronische Krankheiten, Krebs und Asthma verursachen. Durch ihre hohe Atemfrequenz inhalieren Kinder mehr Schadstoffe, als Erwachsene. So ging allein im Jahr 2016 der Tod von rund 600.000 Kindern auf das Konto von verschmutzter Luft.

Um Eltern über Behandlungsmöglichkeiten ihrer Allergie- und Asthma-kranken Kindern zu informieren, stellt die Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind (AAK) Informationsbroschüren bereit und unterstützt bei der Suche nach möglichen Ursachen und sinnvollen Heilmethoden. Der eingetragene Verein bietet zudem medizinische Beratung durch einen wissenschaftlichen Beirat und führt Seminare durch, die Eltern und ihren Kindern Wissen und Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln. Auch telefonisch hilft der AAK Familien mit erkrankten Kindern, sich der Vielzahl an medizinischen, psychischen, sozialen und rechtlichen Problemen zu stellen, die sie oftmals bewältigen müssen.

Ursachen und Folgen der schädlichen Luft

Mögliche Hauptquellen der Verschmutzungen sind die Energiegewinnung, Industrie und Landwirtschaft, die Verbrennung fossiler Rohstoffe und Abfälle, Waldbrände, und auch Privathaushalte. Als besonders gefährlich wurde der Straßenverkehr eingestuft, da die Schadstoffe in Bodennähe und vermehrt in Städten ausgestoßen werden. Doch auch in den eigenen vier Wänden kann die Luft durch Rauch von Kerosin, Kohle, Holz und Bioabfällen verschmutzt sein. Höchstwahrscheinlich führt die Einatmung von Stickstoffdioxid zu Atembeschwerden. Neben den giftigen Oxiden gelten auch Feinstaub und bodennahes Ozon als Grundlage weiterer schwerer Folgeerkrankungen von Herz und Kreislauf sowie Krebs. Folglich verringert sich die Lebensdauer.

Die Bayerische Krebsgesellschaft will Krebserkrankungen vorbeugen und Betroffenen helfen. Zu diesem Zweck bietet sie zahlreiche Ratgeber und Broschüren rund um das Thema Krebs an. In ihren 13 Beratungsstellen in ganz Bayern und deren Außensprechstunden erhalten Ratsuchende eine psychosoziale Beratung. Bei kostenfreien Vorträgen und Kursen werden zudem auch medizinische Fragen beantwortet. Neben der unentgeltlichen und professionellen Beratung engagiert sich der Verein auch in rund 200 ehrenamtlichen Selbsthilfegruppen zur Krebs-Bewältigung und -prävention. Gesundheitliche Verbesserungen für die Zukunft erhofft sich auch die Europäische Umweltagentur: Eine Verschärfung der Vorschriften zur Luftreinhaltung hat sich bereits in der Vergangenheit als erfolgreich erwiesen – seit 1990 hat sich die Zahl der Todesfälle aufgrund strenger Maßnahmen nahezu halbiert. (kt)

2018-11-09T15:23:12+00:009. November 2018|Gesundheit, International, Politik|