Künstliche Intelligenz soll künftig Stürze mit Rollator verhindern

Sie sind aus dem heutigen Straßenbild kaum noch wegzudenken – die als Rollatoren bekannten Gehhilfen auf 4 Rädern. Der Beitrag, den sie für Ältere oder Kranke leisten ist enorm, denn diesen Menschen wird es so ermöglicht, weiterhin an der Gesellschaft teilzuhaben, trotz ihrer körperlichen Einschränkungen. Ganz ungefährlich sind sie aber nicht – bei falscher Anwendung können die Rollatoren ihre Nutzer regelrecht zu Fall bringen. Wer auf einen Rollator angewiesen ist, soll daher zukünftig durch ein intelligentes elektronisches System vor Stürzen geschützt werden. Es soll Haltungsfehler erkennen und signalisieren, die meist die Ursache von Stürzen sind.

Mit künstlicher Intelligenz Gefahren senken

Mehr als 30 Prozent der über 65-Jährigen stürzen einmal im Jahr, was gerade in diesem Alter große gesundheitliche Probleme mit sich bringen kann. Bei den über 80-Jährigen sind es sogar mehr als 50 %. Rund 10 % aller Stürze führen dabei zu ernsten Schädigungen wir Brüchen, die im fortgeschrittenen Alter viel schlechter verheilen. Um sprichwörtlich wieder auf die Beine zu kommen, sind die Gehhilfen eine Option für viele Betroffene. Das Gehen mit Rollator will jedoch gelernt sein, denn durch eine falsche Körperhaltung, die oft durch die fehlenden kognitiven Möglichkeiten der älteren Menschen entsteht, können Stürze begünstigt werden. Nun haben sich in Bremen Experten aus der Industrie, Forschung und Gesundheitswirtschaft aufgemacht, dieses Problem zu lösen. So entwickelt das Deutsche Zentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI) eine elektronische Box für den Einbau in den Rollator, die einerseits mit Hilfe von Sensoren die Haltung registrieren und andererseits unauffällig auf eine mögliche Fehlhaltung hinweisen soll. Der medizinische Partner, die Geriatrie-Abteilung des Klinikums Bremen-Nord, ist mit der Analyse von Gang und Haltung der Älteren innerhalb des Projektes beauftragt. Gefördert wird das Vorhaben vom Bundesforschungsministerium mit 912. 000 Euro.

Verschreibung von Rollatoren stark angestiegen

Der Rollator ist ein wichtiges Instrument für die Mobilität im Alter, doch nicht generell für einen dauerhaften Gebrauch vorgesehen. Sinnvoll ist er zum Beispiel als therapeutisches Hilfsmittel für ältere Patienten nach einer Hüftoperation oder einem Knochenbruch, schnell kann dabei jedoch eine Gewöhnung und falsche Sicherheit entstehen, welche die ehemals Geschwächten nicht mehr missen möchten, auch wenn sie die Stütze gar nicht mehr benötigen. Selbst die gesetzlichen Krankenkassen (Liste mit Zusatzbeitrag) beklagen, dass es immer mehr Verschreibungen von Rollatoren gibt, sogar unter den 60 bis 69-jährigen ist der Gebrauch des Hilfsmittels sehr stark angestiegen. Häufig stellen Ärzte ein Rezept aus, sobald Patienten sich über eine unsicheren Gang beklagen. Dabei liegen die Ursachen der Gehschwierigkeiten häufig ganz woanders.

Viele sehen einfach schlecht, was zu einem wackeligen Gefühl beim Gehen führen kann oder die Beleuchtung innerhalb der eigenen 4 Wände ist nicht an das schwächere Augenlicht angepasst, was wiederum Stolperfallen begünstigt. Mit Schwindelanfällen, Störungen des Gleichgewichts und deren Folgen beschäftigen sich auch die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Hochschule Rosenheim in ihrem Projekt „MobilE-Net“. Das gemeinsame Ziel ist der Weg einer verbesserten Versorgung, angefangen vom Besuch beim Hausarzt bis zu physiotherapeutischen Maßnahmen, die den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen und damit die Lebensqualität der älteren Menschen wieder steigern.

Falsche Körperhaltung begünstigt Stürze

Bislang gibt es keine verlässlichen Daten über die Ursache von Stürzen am Rollator, doch Beobachtungen im Alltag lassen darauf schließen, dass die fehlerhafte Körperhaltung und das falsche Handling am Rollator für viele der Stürze verantwortlich sind. Häufig gehen die älteren Personen stark gebeugt und halten einen zu großen Abstand zum Rollator. Auch das Abstützen mit vollem Gewicht ist unsachgemäß. Falsch, meist zu kurz, sind auch die Griffe der Gehilfe eingestellt. Die Folge sind neben den körperlichen Auswirkungen häufig auch Unsicherheiten und eine erhöhte Angst vor Stürzen, die wiederum zu weniger Bewegung führt. Die Patienten geraten so in einen Teufelskreis, aus dem sie nur schwer wieder herauskommen. Die technische Weiterentwicklung der stützenden Gehilfen ist dabei eine Option, eine Verbesserung herbeizuführen. Auf lange Sicht sollten zusätzlich physiotherapeutische Maßnahmen wie z.B. die Sturzprävention ins Auge gefasst werden, die ein sicheres Gehen und das Gleichgewicht trainieren (Video).

2017-06-16T10:13:07+00:00 12. Juni 2017|Allgemein|