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Künstliche Befruchtung: PKV zahlt in vielen Fällen

Nicht wenige Paare in der Bundesrepublik bleiben auch heute noch ungewollt kinderlos. Im Zusammenhang mit Maßnahmen der künstlichen Befruchtung können immense Behandlungskosten entstehen. Deren Erstattung durch den Versicherungsanbieter ist nicht selten mit rechtlichen Disputen verknüpft. Soll die private Krankenversicherung die Behandlungskosten übernehmen, muss das “Verursacherprinzip” der PKV greifen. Das bedeutet, dass die Unfruchtbarkeit auf den PKV-Versicherten in der Partnerschaft zurückgehen muss. Sind beide Partner privatversichert, stellt sich diese Frage nicht. In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gelten andere Regelungen.

Bundesgerichtshof: Klarstellung zur Kostenübernahme

In seinem Urteil vom 21. September 2005 stellte der Bundesgerichtshof (BGH) die Übernahmepflicht der Behandlungskosten durch die private Krankenversicherung auch für den Fall fest, dass das Paar im Rahmen einer künstlichen Befruchtung bereits ein Kind bekommen hat. (BGH IV ZR 113/04 in NJW 2005, 3783). Demnach könne der Wunsch von Eheleuten nach einem zweiten Kind “erneut den Bedarf auslösen, die gestörte Körperfunktion durch medizinische Maßnahmen zu ersetzen. (…) Die Erstattungsfähigkeit der Behandlungskosten hängt (…) vorwiegend von der medizinischen Notwendigkeit der Behandlung ab”.

Wann die PKV die Behandlung nicht bezahlt

Eine weitere Möglichkeit stellt der Rückgriff auf befruchtete Eizellen eines Befruchtungsversuchs aus der Vergangenheit dar. Die Kosten, die bei dem Einsatz konservierter Eizellen und der damit verbundenen Behandlung entstehen, werden ebenso von der privaten Krankenversicherung erstattet. Allerdings ist die Anzahl der Versuche, die erstattet werden, limitiert. Des Weiteren existieren verschiedene Ausnahmen, für die die PKV nicht aufkommt. Über diese sollten sich Paare im Vorfeld genau informieren. Der Anspruch auf Kostenerstattung erlischt laut dem BGH-Urteil von 2005 generell, wenn die Erfolgsaussicht für das Paar, durch eine künstliche Befruchtung ein Kind zu bekommen, nicht mehr ausreichend ist. Dies trifft dann zu, wenn die “Erfolgswahrscheinlichkeit von 15 % nicht mehr erreicht wird.” Dieser Zeitpunkt könne auf Grundlage verschiedener individueller Faktoren in Einzelfällen zu einem früheren oder späteren Zeitpunkt eintreten. Im Schnitt sei dies jedoch bei Frauen, die das 40. Lebensjahr bereits vollendet haben, der Fall, so stellte es das Gericht fest.

Unklar: Kostenübernahme bei unverheirateten Paaren

Unterschiedliche Ansichten gibt es bislang über die Frage, ob die private Krankenversicherung auch für die Übernahme der Lagerungskosten konservierter Eizellen verantwortlich zeichnet. Ebendies gilt für die Frage, ob die private Krankenversicherung die Behandlungskosten im Rahmen einer künstlichen Befruchtung auch dann erstattet, wenn das Paar mit Kinderwunsch unverheiratet ist. In diesem Fall sollten sich die Paare bei ihrem PKV-Anbieter informieren.

2017-10-17T15:38:32+00:00 14. September 2011|Gesundheit, Versicherung|