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Krankmacher mit Suchtpotential – Zwei „trockene“ Tage pro Woche von Ärzten empfohlen

Etwa 9,5 Millionen Menschen in Deutschland trinken aus medizinischer Sicht zu viel Alkohol. Bei gut 82 Millionen Einwohnern, die in der Bundesrepublik zurzeit leben, ist das fast jeder Neunte! Nicht alle davon sind nach ärztlichen Kriterien alkohol­abhängig, doch die schädlichen Auswirkungen von Alkohol fangen nicht erst dann an, wenn schon das Stadium einer Abhängigkeit erreicht ist.

Grenzwerte deutlich überschritten

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) definiert die Höchstgrenzen für dieses Genussgift. Sie liegt für Männer bei 24 Gramm (g) reinen Alkohol pro Tag, für Frauen bei 12 g täglich. Als wöchentliche Höchstmenge definieren die Ärzte 120 g bei Männern sowie 60 g bei Frauen. Außerdem empfiehlt die BZgA zwei „trockene“ Tage pro Woche. Aber auch unterhalb dieser Grenzen drohen bereits Schäden für die Gesundheit – und der Konsum von Alkohol in Deutschland liegt deutlich höher. Umgerechnet auf die Gruppe der 15- bis 65-Jährigen, trinkt jeder Deutsche 169 g Alkohol pro Woche! Prof. Dr. Volker Ellenrieder von der Universität Göttingen weist dazu auf eine aktuelle Studie im renommierten medizinischen Fachjournal „The Lancet“ hin: Sie setzt die Grenze für den Alkohol­konsum sogar schon bei 100 g wöchentlich für Männer fest.

Chronische Entzündungsprozesse drohen

Welche Beeinträchtigungen richtet Alkohol über welche Mechanismen im Körper an? Beispielsweise kommt es zu Schäden und Erkrankungen der Leber mit chronischen Entzündungsprozessen, welche die Organfunktionen beeinträchtigen. Denkbar ist zum Beispiel, dass Diabetes mellitus durch eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse hervorgrufen wird. In weiterer Folge sind Verdauungsstörungen mit chronischen Durchfällen bis hin zu Bauchspeicheldrüsenkrebs möglich. Auch in anderen Organen und körperlichen Regionen steigt das Krebsrisiko durch Alkoholkonsum, z.B. für Hals, Mund, Speiseröhre, Darm und Brust. Verantwortlich dafür ist das Zellgift Alkohol und das durch den Konsum entstehende toxische Abbauprodukt Acetaldehyd. Noch zu wenig erforscht ist, wie sich regelmäßiger Alkoholgenuss auf das Mikrobiom des Darms auswirkt – klar ist aber, dass es sich verändert, wenn ein Mensch häufiger als dreimal pro Woche Alkohol trinkt. Das gilt nach heutigem Stand in der Medizin schon als weitgehend unbestritten.

Krebsgesellschaften informieren und unterstützen

Generell sind sich alle Experten und Fachleute darüber einig, dass das Krebsrisiko gemindert werden kann, wenn man sich an einer gesunden Lebensweise orientiert. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) stellt dazu ausführliche Informationen auf ihrem Onko-Internetportal zur Verfügung. Als größte deutsche wissenschaftliche Fachgesellschaft zum Thema Krebs vereint sie interdisziplinäre Medizinfelder mit Forschung und der Bereitstellung von Informationen für Patienten.

Eine Garantie, nicht an Krebs zu erkranken, kann selbstverständlich auch die DKG nicht geben. Aber mit 12 einfachen Tipps und Regeln, die jeder in seinen Alltag integrieren kann, haben Verbraucher sehr gute Chancen, das Risiko stark zu minimieren. Ein Europäischer Kodex zur Krebsprävention (PDF) mit 12 simplen Regeln wurde bereits 1987 entwickelt. Sie werden regelmäßig von Fachleuten überarbeitet und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst. Eine der Regeln bezieht sich speziell auf den Alkoholkonsum. Was er anrichten kann, beschreibt die DKG deutlich: „Schon geringer, aber regelmäßiger Alkoholkonsum von bis zu einem Drink pro Tag lässt das Risiko für Mundhöhlen- und Rachenkrebs um 20 Prozent ansteigen, dasjenige für Speiseröhrenkrebs um 30 Prozent.“

Stärkere Prävention gefordert

Die Zahlen sind erschreckend. Daher fordert Prof. Ellenrieder von der Politik mit Blick auf den Alkohol-Konsum mehr Anstrengungen in den Bereichen Prävention und Aufklärung. Für ihn ist es falsch, diese Arbeit nur auf die Suchtproblematik einzu­schränken. Seiner Ansicht nach beginnen die unterschätzten Gefahren des Genussgifts bereits weit vor dem Entstehen einer Sucht. Der Wissenschaftler zählt auch weitreichende Regularien für die alkoholproduzierende Industrie zu den notwendigen Maßnahmen, die der Gesetzgeber ergreifen muss. Für ihn sind diese mit Blick auf die Gefahren, die dieses Genussgift in sich birgt, „längst überfällig“.

Vorbeugen ist besser als heilen, weiß auch die Landeszentrale für Gesundheits­förderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG). Sie übernimmt vielfältige Aufgaben, ein wesentlicher Kern der Arbeit ist die Betreuung und Begleitung von Kindern mit alkoholkranken Eltern und damit die Suchtprävention. Die Gefahr, dass eine Sucht­erkrankung sich auf die Kinder überträgt oder weitergeben wird, ist sehr groß. Auch psychische Störungen, wie Ängste oder Depression sind häufige Folgeerschei­nungen. Die LZG sieht sich daher besonders gefordert, den betroffenen Kindern Räume und Möglichkeiten zu schaffen, sich gesund – und ohne Sucht – zu entwickeln. Regelmäßige Schulungen, Fortbildungen und ein Austausch für Fachleute aus dem Arbeitsumfeld stellt die Landeszentrale für Gesundheitsförderung im Rahmen des Projekts „Kind s/Sucht Familie“ zur Verfügung. (kt)

2018-07-19T15:56:01+00:003. Juli 2018|Ernährung, Gesetzlich, Gesundheit, Politik|