Krankenkassenbeitrag: Zusatzbeitrag könnte bis auf 2 Prozent steigen

Auf die gesetzlich Krankenversicherten könnten nach der Bundestagswahl steigende Zusatzbeiträge zukommen. Trotz der Überschüsse der Krankenkassen besteht die Vermutung, dass die durch Reformen verschiedener Gesetze anstehenden zusätzlichen Kosten mittelfristig über höhere Zusatzbeiträge gegenfinanziert werden müssen. Eine Steigerung von bis zu zwei Prozent sei zu erwarten, so Experten.

Finanzlage der Krankenkassen reicht nicht für Zusatzkosten

Uwe Klemens, Verwaltungsratchef des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, sieht eine Steigerung des Zusatzbeitrags um 1,8 bis zwei Prozent innerhalb der kommenden drei Jahre. Der Grund liege in den neuen und reformierten Gesetzen beispielsweise zur Pflegestärkung, zur Heil- und Hilfsmittelversorgung und zur Krankenhausstruktur. Die bestehenden gesetzlichen Umsetzungen führten bereits zu Mehrkosten zwischen vier und fünf Milliarden Euro. Das bestehende Finanzpolster der Krankenkassen lag im Februar zwar bei gut 15,9 Milliarden Euro, die sind mittelfristig aber schnell aufgebraucht. Die zusätzlichen 1,5 Milliarden Euro aus dem Gesundheitsfonds, die Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in diesem Jahr ausschütten ließ, schieben die Erhöhung nur hinaus.

Zusatzbeitrag in den letzten Jahren stabil

Finanziert werden die Krankenkassen in erster Linie durch den allgemeinen Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung, den die etwa 55 Millionen Mitglieder der Krankenkassen einkommensabhängig leisten. Der allgemeine Beitragssatz ist gesetzlich festgeschrieben auf 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens (mit eventuellen Mindest- und Höchstbeiträgen), wovon die eine Hälfte vom Arbeitgeber zu leisten ist und die andere Hälfte von Arbeitnehmer. Darüber hinaus können die jeweiligen Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben, der allein vom Versicherten zu bezahlen ist. Dieser Zusatzbeitrag liegt seit einigen Jahren stabil im Schnitt bei 1,1 Prozent. Dies soll sich in diesem Jahr auch nicht verändern, allerdings haben einige, meist kleinere Krankenkassen bereits Erhöhungen vorgenommen oder angekündigt.

Weitere strukturelle Änderungen notwendig

Verwaltungsratschef Klemens hält einige strukturelle Anpassungen in der medizinischen Versorgung für wesentlicher. Es gibt demnach zwar insgesamt keinen Mangel in der ärztlichen Versorgung, die Verteilung ist allerdings nicht optimal. Die Zahl an niedergelassenen Fachärzten nimmt kontinuierlich zu, Hausärzte auf dem Land sind allerdings immer weniger anzutreffen. Klemens spricht sich beispielsweise für eine weniger strikte Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung aus, was mit der Idee der Schaffung medizinischer Zentren einhergeht. Auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei für Ärzte wichtiger geworden, heißt es weiter. Gerade mit Blick auf den ländlichen Hausärztemangel müssen bestimmte Rollenvorstellungen überdacht werden.

2017-05-19T16:09:35+00:00 5. Mai 2017|Allgemein|