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Krankenkassen zur Übernahme von Stromkosten für Hilfsmittel verpflichtet

Die Energiewende treibt den Strompreis in die Höhe: Mit dem Jahreswechsel fordern viele Energieunternehmen bundesweit erneut höhere Preise für verbrauchte Energie in Privathaushalten. Kranke, die auf elektrische Hilfsmittel angewiesen sind, trifft diese Entwicklung besonders hart. Umso wichtiger ist es zu wissen, dass die Krankenkassen unter bestimmten Umständen zur Übernahme von Stromkosten verpflichtet sind.

Pflicht zur Stromkostenübernahme bei verordneten Hilfsmitteln

Konkret gilt die Pflicht für elektrische Hilfsmittel, die ärztlich verordnet und von der Krankenkasse übernommen wurden. Sie geht auf ein Gerichtsurteil aus dem Februar 1997 zurück; aus §33 Abs. 1 S1 SGB V. Demnach sind die Kassen nicht nur zur Versorgung mit Hilfsmitteln wie Absaug- und Beatmungsgeräten, E-Mobilen und -Rollstühlen, Liftern, Monitoren oder Wechseldruckmatratzen verpflichtet, sondern auch zur Kostenübernahme für Wartung und Betrieb. Das ist umso relevanter für chronisch kranke Patienten, die mehrere elektrische Hilfsmittel besitzen – jedes einzelne kann die Stromrechnung erheblich erhöhen, wenn der Betrieb täglich und über Stunden erfolgt. Übrigens: Die Pflicht besteht nicht bei elektrischen Hilfsmitteln, die nicht ärztlich verordnet wurden oder deren Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen wurden. Wer auf eigene Faust z.B. einen Elektrorollstuhl oder ein Seniorenmobil anschafft, muss auch die Stromkosten dafür aus eigener Tasche zahlen.

Kosten rückwirkend geltend machen

Die Kosten für den Stromverbrauch elektrischer Hilfsmittel können rückwirkend für vier Jahre bei den Krankenkassen geltend gemacht werden. Zur Berechnung sind die Faktoren tägliche Betriebsdauer in Stunden, Energiebedarf in Watt pro Stunde, Strompreis pro Watt sowie Anzahl der Betriebstage pro Jahr heranzuziehen. Werden mehrere Geräte benötigt, muss für jedes einzelne Gerät eine separate Aufstellung dieser Kosten erfolgen.

Genau über jeweilige Regelung informieren

Eine einheitliche Regelung zur Stromkostenübernahme für elektrische Hilfsmittel gibt es nicht. In jedem Fall erfolgt die Kostenübernahme nur auf Antrag und unter Vorlage der Stromrechnung. Einige Krankenkassen bieten einen Vordruck an, der nur noch für jedes benötigte Gerät ausgefüllt werden muss. Alternativ ist es möglich, eine eigene Kostenaufstellung anzufertigen und einem formlosen schriftlichen Antrag beizufügen. Wer sich vorab über das Vorgehen der eigenen Krankenkasse informiert, vermeidet unnötig lange Wartezeiten und Verzug durch das erneute Ausfüllen von Vorlagen. Erteilt die Krankenkasse in diesem Rahmen die Auskunft, eine Stromkostenübernahme sei grundsätzlich nicht möglich, sollte diese Absage schriftlich erfolgen und mit Verweis auf das eingangs erwähnte Gerichtsurteil angefochten werden.

2017-10-13T12:48:41+00:00 21. November 2016|Gesetzlich, Recht, Versicherung|