Laut neusten Berechnungen des Deutschen Apothekerverbands (ABDA) erstatten Kran­kenkassen immer weniger Rabattarzneimittel. Nur in einem von fünf Fällen werden Versich­erte von der Zuzahlung befreit und das, obwohl die Kassen in den vergangenen Jahren Einsparungen in Millionenhöhe erzielt haben.

Erstattungen gehen zunehmend zurück

Seit dem 1. Au­­gust 2019 wurden lediglich 4.989 der 23.564 Rabattarzneimittel von der Zuzahlung voll­ständig oder teilweise befreit. Insgesamt sind das nur 21,2 Prozent aller Rabatt­arz­neimittel. Zum Vergleich – im August 2018 waren es noch 5.652 von 22.999 Arznei­mitteln und damit 24,6 Prozent. Die Tendenz ist daher rückläufig, was vor allem für die Pa­tienten mit höheren Ausgaben verbunden ist.

Jede Krankenkasse darf auf die Zuzahlung verzichten

Gemäß der gesetzlichen Regelung hat jede Krankenkasse das Recht, auf die Zu­zahlung des Betrages zwischen fünf und zehn Euro zu ver­zichten. Voraussetzung dafür ist ein Rabatt­vertrag – dieser wird mit einem pharma­zeutischen Hersteller abgeschlossen. Prinzi­piell ist die Apotheke in diesem Fall dazu verpflichtet, das vom Arzt verordnete Arznei­mittel gegen das Rabattarzneimittel der Krankenkasse aus­zutauschen. Durch eben solche Rabattverträge war es den Kassen im Jahr 2018 möglich, 4,5 Milliarden Euro einzu­sparen. Ersten Prognosen nach soll der Betrag für 2019 wohl noch höher ausgefallen sein.

Kassen sparen immer mehr Geld

Laut Berend Groeneveld, dem Patienten­beauftragten des Deutschen Apo­theker­verbandes, sparen die Kranken­kassen immer mehr Geld ein, indem sie alte Verträge durch neue austauschen. „Von Herstellern sammeln die Kassen immer mehr Rabatte ein, wobei sie ihren Versicherten relativ häufige Präparat­wechsel zumuten. Doch in den meisten Fällen sind Patienten trotzdem dazu gezwungen, den Betrag zwischen fünf und zehn Euro aus eige­ner Tasche zu bezahlen“, erzählt Groene­veld. Damit bei den Patienten eine höhere Akzep­tanz für die häufigen Präpa­ratwechsel erwirkt werde, sollten die Kassen ihnen die Zuzahl­ungen öfter erlassen, so die Meinung des Patien­ten­­beauftragten. Ob der Patient eine Zuzahlung leisten muss, hängt von seiner Kran­kenkasse ab. Während eine Kasse für den betreffenden Betrag aufkommt, muss der Versicherte bei einem anderen An­bieter die Kosten selbst begleichen.

Zusätzlicher Aufwand durch Lieferengpässe

Des Weiteren haben Lieferengpässe bei den Medikamenten für die Apotheken einen gesteigerten Aufwand zur Folge. Die gesetzlichen Kranken­kassen könnten dieses Pro­blem lösen, in­dem sie Rabattverträge bei mindestens drei verschiedenen Her­stellern abschließen. Auf diese Weise müssten auch Pa­tienten keine langen Wartezeiten mehr hinnehmen. Darüber hinaus können Versicherte sich schon heute im Internet darüber infor­mieren, ob ihr betref­fendes Medika­ment von der Zuzahlung befreit ist oder nicht. Die „Liste zuzahlungs­befreiter Medi­kamente“ ist alpha­betisch geordnet, sodass Inte­res­senten ihr Arzneimittel bei Bedarf schnell finden können.