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Krankenhauskeime: Wie sich die Kliniken davor schützen

In den vergangenen Jahren sind Krankenhäuser immer wieder durch das Auftreten von Krankenhauskeimen in die Schlagzeilen geraten. Genauer: Das Auftreten multiresistenter Keime, die zu erheblichen Wundheilungs- und Genesungsstörungen führen können. Erst im November urteilte das OLG Hamm, dass Kliniken nicht automatisch haftbar gemacht werden können, wenn Patienten infolge einer sogenannten MRSA-Infektion Schaden entsteht. Stellt sich die Frage: Wie schützen sich Krankenhäuser vor dem Auftreten dieser Superkeime – und was können Patienten tun?

Hygiene ist das A und O

Der Schlüsselbegriff im Zusammenhang mit multiresistenten Krankenhauskeimen ist Hygiene. Mit der strikten Einhaltung einiger Hygienemaßnahmen in allen Krankenhausbereichen (siehe PDF) kann die Verbreitung von MRSA vergleichsweise schnell eingedämmt werden. Hohe Hygienestandards im OP-Bereich reichen dafür allerdings nicht aus – Forscher vermuten, dass rund 90 Prozent der Superkeime von den Patienten selbst mit ins Krankenhaus gebracht werden. Eine Besiedlung der Haut mit Superkeimen ist für gesunde Menschen konsequenzlos – geraten diese Keime allerdings in offene Wunden oder in den Körper, können erhebliche, zum Teil auch lebensbedrohliche Komplikationen entstehen. Umso wichtiger ist beispielsweise ein Patientenscreening (Video) direkt bei der Aufnahme, eine konsequente Infektionserfassung, umgehende Quarantänemaßnahmen bei Komplikationen sowie strikte Hygiene auch in den Patientenzimmern.

Im Umgang mit Patienten gilt: Jeder Untersuchungsgegenstand muss nach jedem Einsatz gründlich desinfiziert werden, Einmalhandschuhe sind bei Patientenkontakt Pflicht und müssen direkt nach dem Kontakt entsorgt werden. In den Patientenzimmern sollten sich Ärzte und Pflegepersonal stets zuerst die Hände desinfizieren, um Keime nicht von einem Zimmer ins nächste zu übertragen. Ideale Nährböden für Keime wie beispielsweise Topfpflanzen sind aus allen Krankenhausbereichen zu entfernen.

Sinnvoller Antibiotikaeinsatz gefordert

Neben hohen Hygienestandards, die von allen Mitarbeitern konsequent angewendet werden, empfiehlt sich auch ein überlegter Umgang mit Antibiotika. Schließlich sind multiresistente Keime u.a. durch exzessiven Antibiotikaeinsatz entstanden. Hilfreiche, aber empfindlichere Bakterien werden abgetötet, robustere Bakterienstämme passen sich an und entwickeln Resistenzen gegen gängige Antibiotika (siehe PDF), die oft zum Einsatz gelangen. Sinnvoll ist es daher, im Rahmen der Therapieplanung zu hinterfragen, ob Antibiotika im Einzelfall zwingend zum Einsatz kommen müssen. Sind entsprechende Medikamente notwendig, sollte ein passgenaues Präparat ausgewählt und streng nach Vorschrift eingenommen werden. Die Wirkung des Antibiotikums ist zu dokumentieren, bei Auffälligkeiten sollte die Therapie schnellstmöglich angepasst werden.

Aufmerksamkeit schulen

Alle Hygienevorschriften und guten Absichten helfen wenig, wenn sie nicht eingehalten werden. Immer wieder kann es im stressigen Krankenhausalltag passieren, dass Hände oder Gegenstände nicht desinfiziert, Einmalhandschuhe mehrfach benutzt oder Patientenzimmer nicht gründlich genug gereinigt werden. Umso wichtiger ist es, Krankenhausmitarbeiter regelmäßig und nachdrücklich zu schulen – Ärzte ebenso wie Pflegepersonal, Küchenmitarbeiter und Reinigungspersonal. Erst wenn sämtliche Hygienestandards konsequent eingehalten werden, kann der Verbreitung von Krankenhauskeimen Einhalt geboten werden.

2017-10-13T10:40:16+00:00 9. Dezember 2016|Gesundheit, Vorsorge|